6. Tschad 

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2015


Tschad, 29. Juli 2015:


Proteste erfolgreich!


Djeralar Miankeol ist


freigesprochen worden


 "Der Freispruch Djeralar Miankeol ist ein ermutigendes Zeichen für die Gemeinschaft der Menschenrechtsverteidiger im Tschad. Dennoch bleibt viel zu tun in diesem Land. Unter dem Vorwand der Wahlen und unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung, werden sie in zunehmendem Masse von den Behörden schikaniert", sagte Karim Lahidji, Präsident FIDH


Pressemitteilung

LHL erleichtert über Freispruch

Mit großer Erleichterung konnte Jürgen Marquardt, der Vorsitzende von LHL e.V., den Vorstandsmitgliedern am Mittwoch die ersehnte Mitteilung machen, dass ein ganz wichtiger Partner von LHL in Moundou/Tschad von allen Anklagepunkten freigesprochen wurde und wieder auf freiem Fuß sei. Herr Djeralar Miankeol war am 15. Juni verhaftet und in einem Schnellverfahren am 22. Juni zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Staatanwalt klagte ihn an wegen Beleidigung der Behörden. Was war aber wirklich vorgefallen? D. Miankeol hatte einige Tage zuvor in einem Radiointerview beklagt, dass es in den lokalen Behörden und in der Justiz Korruption gebe. Namen hatte er bewußt nicht genannt. Dieses Interview sollte ganz offensichtlich genutzt werden, um einen mutigen Streiter für die Rechte der Kleinbauern loszuwerden. Der uralte Konflikt zwischen seßhaften Kleinbauern und nomadisierenden Viehzüchtern flammt zwar immer wieder auf, in der Region von Moundou hat sich jedoch eine neue Konfliktsituation herausgebildet. Der neue Schlachthof in der Großstadt Moundou lockt Viehhalter an, die im Umfeld der Stadt Großvieh in extensiver Haltung schlachtreif machen wollen. Da jedoch freie Weideflächen hier nicht zur Verfügung stehen, wird das Vieh ohne Rücksicht auf die ansässigen Kleinbauern geweidet. Proteste der Bauern werden von den Behörden und der Justiz abgewiesen. Herr Miankeol hat darum mit einer größeren Zahl von betroffenen Kleinbauern einen Verein gegründet, um sich zur Wehr zu setzen, was offenbar die Interessen vieler Viehhalter störte. Der Vorwurf der Korruption, den Herr Miankeol erhob, wurde im Grund genommen von dem gegen ihn verhängten Urteil bestätigt.

LHL ist erleichtert, dass die große Zahl von Protesten dazu geführt hat, dass in einem schleunigst angesetzten Berufungsverfahren Herr Miankeol vollständig freigesprochen wurde. LHL hatte sich an den Protesten u.a. mit Schreiben an die tschadische Botschaft in Berlin und an Bundestagsabgeordnete beteiligt. Von dort wurde z.B. der deutsche Botschafter in der Hauptstadt Ndjamena um Einflußnahme gebeten. Auch Amnesty International startete eine große Kampagne. Offenbar wurde das öffentliche und internationale Interesse an dem Fall für die Behörde in Moundou so bedrückend, dass man jetzt mit einem Freispruch zurückruderte.

Für LHL ist Herr Miankeol als Agraringenieur ein wichtiger Partner im Anbau von wirksamen tropischen Heilpflanzen vor allem zur Heilung von Malaria-Erkrankungen.

Im Jahre 2011 nahm Herr Miankeol am Kirchentag in Dresden teil, wo auch Herr Marquardt, Vorsitzender von LHL e.V., ihn traf.


Das Bild wurde aufgenommen am Stand der ARBEITSGEMEINSACHFT ERDÖLPROJELKT TSCHAD-KAMERUM auf dem Kirchentag 2011 in Dresden. V.l. Djeralar Miankeol, Bischof Kouraleyo von Moundou, Jürgen Marquardt/LHL e.V.



Juni 2015


LHL protestiert: Unser Partner im Tschad verhaftet!

Der Menschenrechtler und Agronom Djeralar Miankeol aus Moundou im südlichen Tschad arbeitet mit LHL und unserer französischen Partnerorganisation Unis vers Tchad seit Jahren zusammen. Zuletzt bei einem Heilpflanzen-Projekt. Am 7. Juni hat er im Lokalradio ein Interview gegeben und sich kritisch über den Landraub in der Region geäußert. Eine Woche später wurde er verhaftet.

Der Vorsitzende von LHL, Jürgen Marquardt, seit Jahren für den Tschad engagiert, protestiert mit einem Schreiben an die Botschaft des Tschad in Berlin und schreib darin u.a. "Für uns ist dieses Vorgehen absolut unverständlich, weder nachvollziehbar noch akzeptabel. Wenn ich die Homepage Ihrer Botschaft aufrufe, lese ich, dass die Republik Tschad vorranig für Gerechtigkeit und Sicherheit sorgen wolle. Das aktuelle Verhalten der Behörde in Moundou läßt davon leider nichts erkennen.... Wir bitten Sie dringend, sich für die sofortige Entlassung von Herrn Miankeol aus der Haft einzusetzen..." Hier der volle Wortlaut des Protestschreibens.

Amnesty International hat Djerarlar Miankeol bereits als gewaltlosen Gefangenen adoptiert und ruft zu "Urgent Actions" auf. Auch die amerikanische und die deutsche Sektion rufen zu Protestbriefen auf.
Weitere Informationen in französischer Sprache bei FIDH und bei Afrik.com. Ein Portrait des Gefangenen findet sich bei "Peace Resources" .
Auch die evangelische Aktion "Brot für die Welt" arbeitet mit Djerarlar zusammen und ruft zu Protesten gegen die Verhaftung auf, da er nur seine freie Meinung geäußert habe.

Menschenrechtler Djéralar Miankéol im Tschad verhaftet- LHL protestiert!




Dezember 2014

Ein Blick nach Benoye im Tschad

Im Februar besuchte unser Vorstandsmitglied Daniel Djedouboum Benoye. Sehr beeindruckt war er von den Interviews mit Schülerinnen des Collège. Für ihn, der selbst in der Gegend aufgewachsen ist, war das gestiegene Selbstbewusstsein der Mädchen  die große Überraschung.  Viele von ihnen planen den Übergang auf die Oberstufe, die der Verein JARABE allerdings nur in der benachbarten großen Stadt Moundou anbietet.  Für den Standort Benoye  ist ganz neu, dass das Collège die Eingangsklasse der Oberstufe angeschlossen hat, so dass der Übergang für viele Absolventen des Collège deutlich einfacher wird.

Das Collège, welches im Jahre 1995 eröffnet wurde, ist etwas in die Jahre gekommen.  Die Schulmöbel  haben bei den übergroßen Klassen sehr gelitten. - Zum Ende des Schuljahres im Sommer  haben wiederum alle zur Abschlußprüfung  Zugelassenen die Prüfungen bestanden.

Dank dem benachbarten  Schulgarten  wird auch unterrichtet, wie ein verbesserter Anbau von Gemüse und auch Heilpflanzen wie Artemisia aussieht.  Der Anbau von Moringa-Bäumen ist  neu. Dieser Baum ist ein medizinischer Wunderbaum. Mit den Früchten z.B. läßt  sich Wasser reinigen.

Der Partnerverein JARABE hat Anfang Oktober einen neuen Vorstand gewählt. Und wir sind glücklich, dass im Tschad seit längerer Zeit politisch ruhige Zustände herrschen.  Im Januar wird Marcel Vogelsberger von unserem französischen Partnerverein UNIS VERS TCHAD ebenfalls wieder in den Tschad reisen. 

Aus dem LHL-Weihnachtsrundbrief 2014


Februar 2014

Unsere Projekte im Tschad Anfang 2014

Anfang Februar kehrten Francoise und Marcel Vogelsberger von unserem französi­schen Partnerverein UNIS-VERS-TCHAD von einem zweimonatigen Aufenthalt im Tschad zurück. Die Absicht war zu erkunden, welche Ergebnisse sich aus den beiden Kur­sen im Frühjahr 2013 in Koumra ergeben ha­ben. Es interessierte uns vor allem, ob es den vier damals gebildeten Gruppen gelun­gen ist, die Kenntnisse aus dem ANAMED-Kurs anzuwenden. Die Gruppe um Moundou, zu der auch Elysée von JARABE gehört, scheint am erfolgreichsten zu sein. In N’Djamena gelang es nicht, Artemisia zu pflanzen und zur Erntereife zu bringen. Es sieht so aus, dass jetzt ein Verbund zwischen den verschiedenen Gruppen entsteht, so dass sie sich gegenseitig schwerpunktmäßig beliefern und unterstützen können. Es wird erwogen, einen weiteren ANAMED-Schu­lungskurs vorzubereiten.

Ende Januar weilte unser Vorstandsmitglied Daniel Djedouboum in Benoye, um die aktu­elle Situation zu erkunden. Daniel wird erst Mitte Februar zurückkehren, so dass wir erst dann aktuelle Fotos und Berichte erhalten. Ein zentraler Punkt bei dem Besuch war die Vorbereitung der Installation der PV-Anlage für das Radio von JARABE und den Einbau der solarbetriebenen Pumpe im Brunnen beim Collège. Der Transport des Containers mit den Materialien hat sich um Wochen ver­zögert, die Ausrüstung wird leider erst nach Mitte Februar in Benoye eintreffen.

Die Arbeitsgemeinschaft Tschad zum Erdöl­projekt im Süden des Landes, deren Mitglied LHL e.V. seit 2002 war, hat zum Jahresende ihre Tätigkeit eingestellt, da eine weitere Fi­nanzierung nicht möglich war. Am 10. März findet noch eine weitere abschließende Ver­anstaltung in Berlin statt, an der D. Dje­douboum und J. Marquardt teilnehmen wer­den. Am Tag danach werden sie im Lilient­hal-Gymnasium in Berlin vom Leben in Benoye berichten und sich damit für die im Januar erhaltene Spende bedanken. Diese ermöglichte es, in Benoye ein vollständiges Stipendium für 10 bedürftige Mädchen aus­zugeben. (Rundbrief LHL, Februar 2014)


November 2013

Neues aus Benoye/Tschad

Wie auch im vergangen Jahren haben wir wiederum unseren finanziellen Beitrag an unseren Partnerverein JARABE überwiesen, damit auch Mädchen ein Schulbesuch ermöglicht wird. In diesem Schuljahr besuchen 120 Schülerinnen und 103 Jungen das COLLÈGE de l’AMITIÉ in Benoye.


Foto: Die Schülerinnen der Abschlußklasse 2013/2014

Ende April bot sich die Möglichkeit, ein Treffen zu vereinbaren mit dem  Koordinator von JARABE, Milisor Kourkaou, anläß­lich seines Besuches in Poitiers, der Partnerstadt von Moun­dou. Jürgen Marquardt und Reinhard Hell-Neubert fuhren mit der Bahn nach Poitiers.  Bei mehreren Treffen konnten aktuel-le Informationen ausgetauscht und gemeinsam ein neues Pro­jekt erörtert werden. JARABE betreibt seit etwa zwei Jahren mit großem Erfolg eine kommunale Radiostation. Die Bedeu­tung dieser Radiostation für die Bevölkerung in der Region kann nicht unterschätzt werden, da mittlerweile auch im Um­feld von Benoye nach Erdöl  gebohrt und auch Erdöl gefördert wird, und zwar von einer chinesischen Firma. Bei den Arbei­ten dieser Firma wurde so wenig Rücksicht auf die Umwelt genommen, dass sogar die tschadische Regierung einschritt.

 

Die Radiostation ist besonders wichtig in einer Region, in der nur ein Drittel der Bevölkerung die offizielle Sprache Französisch versteht. Für den größten Teil der Menschen dort ist das Radio eine unverzichtbare Informationsquelle. Leider ist die finanzielle Situation des Radios überaus angespannt. Da kommt unser Angebot gerade recht: die Lieferung einer 10 KW Fotovoltaikanlage mit einem genügend großen Akkusatz zur sicheren Belieferung mit kostenlosem Strom von der Sonne.  

Der Container  wird in den nächsten Tagen auf die Reise nach Benoye gehen. Wir haben auch die Bescheinigung, dass die Materialien zollfrei eingeführt werden dürfen.    

J. Marquardt (Weihnachts-Rundbrief 2013)



August 2013


LHL ist schon seit vielen Jahren Mitglied der AG Tschad. Die Arbeitsgruppe Tschad hat seit über zehn Jahren die tschadische und kamerunische Zivilgesellschaft darin unterstützt, sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene für ihre Anliegen Gehör zu finden. Diesen Herbst kann die Kampagne auf ihr 10jähriges Jubiläum zurückschauen und hat pünktlich ein höchst informatives Informationsportal im Internet eingerichtet, mit zahlreichen Informationen auch auf Englisch und Französisch .



Bingo-Umweltstiftung fördert Versorgungssicherheit im Tschad

Die Versorgung mit Wasser und mit Informationen in Benoye (Tschad) soll durch eine mit Solarkraft angetriebene Pumpe und eine Photovoltaikanlage gesichert werden. Dazu erhält der Verein „Lernen-Helfen-Leben e.V.“ mit Sitz in Vechta 25.000 Euro von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung.

Der bereits vorhandene Brunnen versorgt die Schule „Collège des l'Amitié“ und etwa 500 Anwohner mit Wasser. Die Solarpumpe, die mit einem Hochbehälter kombiniert wird, erleichtert nicht nur die Wasserentnahme, sondern kommt auch der kontinuierlichen Bewässerung des Schulgartens zugute. Zudem ermöglicht der Behälter es, den Brunnen abzudecken und vor Verunreinigungen zu schützen. „Der Brunnen stellt einen wichtigen Teil der örtlichen Wasserversorgung dar“, sagt Jürgen Marquardt vom Verein „Lernen-Helfen-Leben.

Die Radiostation kann die Energiekosten kaum tragen, deswegen sollen die Kosten durch die Photovoltaikanlage stark verringert werden und einen ungestörten Betrieb ermöglichen, unabhängig von der öffentlichen Versorgungssituation. Die Reduzierung der Energiekosten ermöglicht dem Radiosender einen verlustfreien Betrieb. Das Radio erreicht nicht nur arabisch und französisch sprechende Menschen, sondern auch Hörer, die nur Lokalsprachen verstehen. Damit wird der Sender auch von denjenigen genutzt, die nicht oder nur kurze Zeit das Collège des l'Amitié besucht haben.

Die Investitionen für Brunnen und Radiostation stabilisieren die Versorgung der Menschen in Benoye auf längere Sicht“, begründet Karsten Behr, Geschäftsführer der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, die Förderung aus Hannover.

Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördert Umwelt- und Naturschutzprojekte sowie Projekte zugunsten der Entwicklungszusammenarbeit und der Denkmalpflege. Die Stiftung finanziert sich aus der Glücksspielabgabe und vor allem aus Einnahmen der Bingo-Umweltlotterie. 



Mai 2013

Benoye/Tschad – Informationen aus erster Hand

 

Ende April bot sich die seltene Gelegenheit, den Koordinator unseres Partnervereins JARABE , Herr Milisor Kourkaou, per­sönlich zu treffen, und das in Poitiers in Frankreich. Kon­kret ging es bei dieser Reise um die  Vorbereitung eines weiteren Alphabetisierungsprojekts für Frauen. Zwei Tage lang konnten wir zwei, d.h. neben mir Reinhard Hell-Neubert aus Berlin, der Mitte der 90er Jahre als Agraringenieur für den DED in Benoye tätig war, mit Milisor alle aktuellen und grundsätzlichen Fragen erörtern. Auch Marcel Vogelsberger nahm daran teil.

Marcel hatte noch im März mit seiner Frau Francoise Benoye besuchen können und uns darüber einen detaillierten Bericht zukommen lassen.  Das Collège de l’Amitié hat wieder über 200 Schülerinnen und Schüler, mehrheitlich Schülerinnen. Milisor erklärte, dass sich auch JARABE Gedanken darüber mache, wie man das Collège weiterführen könne ohne regelmäßige Zuschüsse von LHL.  Allerdings gibt es dazu bisher keine brauchbaren Pläne.

Ein weiteres Thema: der Brunnen beim Collège und die Verbesserung der Nutzung.  Leider wurde die obere Einfassung des etwa 30 Meter tiefen Brunnens  nicht in der erforderlichen Qualität erstellt, so dass dort Nacharbeiten notwendig werden.  Der Schulgarten neben dem Collège ist nun endlich in Betrieb genommen, und zwar mit dem System „Verbesserter tropischer Garten“  (Projekt  2012 mit Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung ).  Eine solarbetriebene kleine Pumpe, verbunden mit einem kleinen Hochbehälter, würde die installierte Tröpfchenbewässerung  außerordentlich erleichtern.  So sind wir auf der Suche nach einer Pumpe und den weiteren benötigten Materialien.

Der dringendste Bedarf einer Verbesserung  befindet sich allerdings bei dem von JARABE betriebenen Radiosender. Der dortige Stromgenerator liefert einen Strom, dessen Frequenz stark schwankt, was schnell zur Zerstörung von empfindlichen Bauteilen führt.

Mit Hilfe von Marcel und deutschen Experten  möchten wir dieses Problem beheben. Wie es aussieht,  wird sich aus allem wiederum ein Projekt ergeben, für das wir hoffentlich eine Förderung finden können. (J. Marquardt im Rundbrief LHL Frühling 2013)