Togoreise 2013



Togo, Sommer 2013
Reisebericht von 
Chantal und Ulrich Kloecker

Liebe Spender und Unterstützer des Togo-Projektes von LHL,

Wie versprochen möchte ich von unserer letzten Reise nach Togo berichten. Diesmal bin ich sieben Wochen geblieben, für mich ein neuer Rekord, und auch mein Mann ist mitgereist, was ebenfalls neu ist.

Ich bin am 5. Juli angekommen. Die Reise war angenehm: die Stewardessen von Air France sind jedesmal reizend, und der Flug beginnt immer mit einem Glas Champagner, das ich dann mit großem Vergnügen genieße: es bedeutet für mich den Anfang (oder das Ende!) der Reise.

Merveille ist sehr neugierig.

Wie früher schon wurde ich im Flughafen Lomé abgeholt: Eben-Ezer und Philippe von ADICH warteten auf mich mit einem Wagen, extra für mich!! Wir haben bei den Schwestern der Providence übernachtet: Wir kennen uns gut und sie sind jedesmal sehr gastfreundlich. Hier ist das kleine Mädchen, das sie adoptiert haben. Das Mädchen heißt « Merveille » (=Wunder). Ist das nicht ein "wunderbarer" Vorname?
Merveille ist ein neugieriges Kind, zuerst misstrauisch, schenkt sie uns dann viel und  schönes Lächeln...

Am nächsten Tag fuhren wir Richtung Atakpamé. Die Straße ist in einem erbärmlichen Zustand: die Löcher sind manchmal 30 cm tief… Jedoch fahren die Leute so schnell wie möglich, obwohl die Fahrzeuge oft überladen und in einem schrecklichen Zustand sind. Keine Wunder, dass viele Wracks von LKWs am Rand der Straße steckengeblieben sind und notbedürftig von ihren Fahrern repariert werden!


Die einzige große Straße von Lomé bis Burkina Faso

Mein Aufenthalt in Atakpamé fing wie bei früheren Besuchen schon mit einem Essen bei Alexis an, dem neuen Vorsitzende von ADICH. Dann habe ich meine Tochter Marine wiedergetroffen, sowie die Familie Todjro. Marine hat dort 9 Monate als Freiwillige vom Konkreten Friedensdienst verbracht, und ich habe da zum vierten Mal gewohnt! Marine flog ein paar Tage später heim, traurig, aber mit vielen wunderbaren Erinnerungen.

In dem Hof der Familie Todjro passiert immer etwas: spielende Kinder (mindestens 4 oder 5!), Nachbarn, Mieter und Besucher, die Friseuse, die ihre Kundinnen direkt in einer Ecke frisiert und unzählige schöne Zöpfe flechtet, und natürlich die Hunde, die Ziege und viele Geckos…

Der Hof der Familie Todjro

Während meines Aufenthalts habe ich zwei Reisen unternommen: zuerst nach Kara und Sokode, und dann zur Kultstätte von Dzogbegan. Ich habe auch viele Freunde wiedergetroffen und interessante Begegnungen gehabt.

Ich habe zwei Tage und zwei Nächte in zwei Dörfern verbracht: Alavagnon und Gbécon. Das erste Dorf ist bekannt für seine Voodoo Priesterinnen, das andere für die traditionelle Heilkunde seiner Heiler. In beiden Dörfern bin ich besonders gastfreundlich empfangen worden: kein Bewohner von Alavagnon oder Gbécon hätte je gedacht, dass eine Weiße bei ihnen übernachten würde. Ich bin sicher, dass sie noch lange von meinem Besuch erzählen werden….

Der Dorfchef von Alavagnon und die älteste der Priesterinnen (angeblich 108 Jahre alt!). Der Chef glaubt an die Kräfte des Lichtes und der Vernunft und hat manche Schwierigkeiten mit den Priesterinnen, die zugleich respektiert, aber von den Leuten auch gefürchtet sind.

Ich kann nicht umhin, Sie bis zur Kultstätte der Priesterinnen mitzunehmen. Es ist ein heiliger Ort, der für Fremde normalerweise verboten ist. Die älteste Priesterin hat mir aber ausdrücklich erlaubt, das Bild zu machen und zu veröffentlichen.

Die Priesterinnen dürfen nur rückwärts in diese Kultstätte eintreten. Dieses rituelle Haus ist der Schlange und dem Krokodil gewidmet: Im Inneren sind seltsame Geheimnisse, die ich natürlich nicht entdecken durfte.

Links: Fetische im Dorf Agothoi (ich lasse Euch erraten, welchem Gott sie vielleicht gewidmet sind…), rechts: Sakrale Objekte des Voudou-Kultes


Hanne, eine unserer beiden Weltwärts-Freiwilligen, hat mich ins Dorf Gbécon begleitet (Dort sind drei « einkommenschaffende Maßnahmen » entstanden, ich werde später davon berichten). Wir sind sehr nett und freundlich empfangen worden, haben frenetische Tänze im Mondschein bewundert und die Frauen haben sich abgewechselt, um uns während der Nacht zu beschützen, dann hatten wir ein schönes Frühstück, mit dabei das halbe Dorf, das uns zusah… Es war wirklich magisch! Die Frauen haben uns in ihr tägliches Leben eingeführt - es ist sehr schwer! Das nächste Bild zeigt das mühsame Wasserholen, und trotzdem war dieses Moment voll Schönheit:

Ende Juli kam mein Mann Ulrich aus Deutschland. Es war für ihn die erste Reise nach Afrika. Seine Entscheidung mich zu begleiten, war von Neugierde, aber auch von Zurückhaltung und Misstrauen geprägt. Kokou, Eben-Ezer und ich haben ihn mit großer Freude am Flughafen Lomé abgeholt.

Ankunft im Flughafen Lomé

Uli hat sich erstaunlich gut an das Leben in Togo angepasst, ihm wurde die traditionelle Tourista erspart (außer am letzten Tag) und die Familie Todjro, sowie die Mitglieder von ADICH, haben sich rührend um ihn gekümmert.


Wir haben Uli überallhin mitgenommen, wo meine Schule , das Lycée Français, etwas realisiert hat (Ich muss hier von unserem Stolz berichten, ihm alle diese Dinge zeigen zu können !) : die Patenschaften, die Stipendien für gute Schüler, die Klassenkorrespondenzen, die Schulbücher und das Material für die Kinder, sieben Ecosan-Trockentoiletten, vier Brunnen, 1.500 Bäume, eine Sensibilisierungskampagne und die drei Frauengruppen aus Gbécon…

Seit vier Jahren sieht Uli, wie viel Zeit und Energie ich in das Projekt investiere, und er weiß jetzt, dass es sich gelohnt hat.

Besuch im Dorf Gbécon

In der Kultstätte von Dzogbegan               Ich habe diesen Wald « Silberwald » getauft.


So weit mein kurzer Überblick über unsere Reise, jetzt ist Uli dran:

« Ja, ich bin sehr beeindruckt von dieser ersten Reise nach Afrika. Ich habe neue Freunde dort gewonnen, die mich wie einen König empfangen haben, und noch dazu haben sie mich zum «Tagbé » ernannt, eine Art „Weiser Mann“, dessen Meinung zählt, also etwa ein Ehrenkönig für die Houdou! Ich habe getanzt und Musik gemacht mit den Dorfbewohnern, und alles ging gut.

Ich werde bestimmt nochmals dahin fliegen, um die Fortschritte dieses wirksamen und fruchtbaren Austauschs festzustellen. Außerdem engagiert sich unsere Tochter mit deutschen und togolesischen Freunden in Atakpamé für den Bau einer Schule für taube Kinder und wir wollen ihr dabei helfen. Die Schule existiert schon und 15 Schüler zwischen 6 und 16 Jahren besuchen sie. Ich wünsche ihr Erfolg.

Ich wünsche auch den Bauern in Atakpamé, dass die nächste Ernte gut wird. »

Tagbé Yao Uli

Hier soll jetzt über das geplante Projekt « Einkommenschaffende Maßnahmen für Frauengruppen“ berichtet werden. Es liegt mir sehr am Herzen. Schon bei meinem ersten Besuch 2009 in Togo war ich zuerst erstaunt, dann bestürzt und schließlich empört über die dortige Situation der Frauen und Kinder. Meine Meinung hat sich nicht geändert. Deshalb habe ich mich mit meiner Schule, dem Lycée Français Düsseldorf, für die Kinder engagiert, und zwar in Form von Patenschaften, Stipendien für gute Schüler, Klassenkorrespondenzen, Schulbüchern und Material für die Kinder. 

Jetzt sind also die Frauen dran: nach vielen Gesprächen mit den Mitgliedern der deutschen NGO Lernen-Helfen-Leben e. V. (LHL wird offiziell unser Projekt beim BMZ zur Förderung einreichen) und ADICH, unserer Partnerorganisation in Togo, haben wir eine positive Bilanz der vier Jahre unserer Mitarbeit ziehen können. Jetzt möchten wir weiter gehen. Das BMZ (Bundesministerium für Zusammenarbeit) unterstützt und fördert Projekte mit einkommenschaffenden Maßnahmen für Frauengruppen, da solche Maßnahmen vielversprechend und nachhaltig sind. Und noch was: dieses Projekt hat nichts zu tun mit dem Projekt meiner Schule, auch wenn es dieselbe Zielgruppe hat, nämlich die Houdou Gemeinschaft von Atakpamé /Togo.

Ich stelle Euch unsere Partnerorganisation ADICH vor:

Oben, von l. nach re. : Fakos, ( *), ( *), ich, Alexis (Vorsitzender von Adich), Yawa (Kassenführerin), Uli,Norbert, ( *). Unten: Eben-Ezer, Kokou, Victorine, Clément (ehemaliger Vorsitzender von ADICH und zukünftiger König der Houdou), Akoua Pauline, Faustin (Die „Sternchen“ gehören ADICH nicht an).

Was bedeutet eine "einkommenschaffende Maßnahme für Frauengruppen" ?

Die Unterstützung bedürftiger Bevölkerungsgruppen richtet sich an arbeitsfähige Frauen. Durch die Teilnahme an unserem Projekt "Einkommenschaffende Maßnahmen durch Mikrokredite" können

sie sich eine eigene Existenz aufbauen und die Situation ihrer Familien verbessern. Beachtet werden dabei muss der Schutz der Umwelt; außerdem - und dies ist in meinen Augen sehr wichtig – gilt es, die menschliche Würde wiederherzustellen.

Die Projektplanung sieht vor, dass Frauen sich in Selbsthilfegruppen zusammenschließen und sukzessive (maximal dreimal) Kleinkredite erhalten, die sie für einkommenschaffende Maßnahmen einsetzen. Es müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:

Unsere Partnerorganisation ADICH wird jeder Gruppe € 200 leihen, die nach 10 Monaten zurückgezahlt werden müssen (mit 10% Zinsen). Wenn die Frauen das geliehene Geld gut verwalten, werden sie die Summe noch maximal zweimal erhalten. Dann wird das Geld an eine andere Gruppe verliehen. So wird das Projekt in idealer Weise nachhaltig.

Parallel dazu wird ADICH die Frauen zum Sparen animieren: 100 Fcfa pro Tag (ca. 15 cts), und dies 3 Monate lang: Nach 90 Tagen haben die Frauen 10 000 FCFA gespart, was für viele eine erste Erfahrung sein wird. Falls eine Frau in finanzielle Not gerät, müssen die anderen für sie einspringen. Im wirklichen Notfall können die Frauen auf den Garantiefonds zurückgreifen.

Wie haben wir das Projekt gestartet?

Frauengruppen, geliehenes Geld, Zinsen, Sparen, das sind Wörter, die die Frauen in Togo kennen, aber sie beherrschen sie noch nicht. Viele von ihnen haben schon mit einem Mikrokredit zu tun gehabt, aber die horrenden Zinsen von 18, manchmal sogar 25% haben sie in den Ruin getrieben. Keiner hatte sie damals vor Beginn informiert oder gut beraten. Solche traurige Geschehnisse wollen ADICH und ich unbedingt vermeiden. Deswegen machen wir Sensibilisierungs-, Informations-und Motivationskampagnen.

Außerdem haben wir mit drei kleinen einkommenschaffenden Maßnahmen angefangen, die von meiner Schule finanziert sind: Drei Frauengruppen (jeweils aus 13 bis 15 Frauen bestehend) begannen im Juli in Gbécon. Jede Gruppe wird die bescheidene Summe von € 500 erhalten… aber wie Heinz von LHL sagt: « Klein starten und groß denken! ». Es handelt sich also um ein Modell-Projekt, und ich war dabei, als Eben-Ezer und Beauty die Frauen versammelt haben.

Diese Frauen aus Gbécon haben mich in Staunen versetzt: die meisten sind Analphabetinnen, sie müssen sich an alles erinnern, ohne Notizen zu schreiben… Sie sind alle sehr motiviert, sehr stolz und sehr dankbar, dass wir ihnen diese Chance gegeben haben. Übrigens: Eben-Ezer und Beauty haben eine charismatische Art, ihr Publikum zu bewegen und zu überzeugen, und dies fünf Stunden lang!

Wie werden die Frauen begleitet und unterstützt?

Ein von ADICH eingestellter Mitarbeiter wird sich um die verschiedenen Gruppen kümmern: Kontrolle der Buchführung, der Sparbücher und des Bankkontos, Ermunterungen…

Wie werden die Frauen ihr Einkommen verbessern ?

80% der Familien in Togo leben in Armut, das heißt mit weniger als einem Dollar pro Tag. Für uns sind das nur Worte… für mich heißt das aber : Kinder, die die Schule nicht besuchen können, weil ihre Eltern zu arm sind, um das Schulgeld zu bezahlen; eine Frau, die bei der Geburt ihres Sohnes stirbt, weil sie die 7 000 Francs cfa (= € 10) für den Kaiserschnitt nicht aufbringen kann; ein LKW, der in einem so schlechten Zustand gefahren wird, dass er unmöglich bremsen kann und dabei vier unserer Patenschüler unter sich begräbt und tötet…

Die Frauen kümmern sich um die Finanzen in der Familie, aber sie müssen oft die einfachsten Sachen auf Kredit kaufen und kommen aus den Schulden nicht mehr raus.
Die Summe, die wir jeder Frauengruppe leihen werden, wird den Frauen ermöglichen, zum Beispiel Mais bar zu kaufen, daraus Kuchen zu backen und am Rand der Straße zu verkaufen. Sie werden auch ein paar Hähnchen kaufen, um sie zu mästen, sie werden auch Mais zur Erntezeit kaufen, lagern und dann später mit Gewinn verkaufen…etc.

So werden die Frauengruppen das geliehene Geld zurückzahlen und dabei lernen zu sparen. Die große Mehrzahl der Kredite wird erfahrungsgemäß zurückgezahlt. Keine Frau erhält Geld für sie separat, nur Gruppen werden unterstützt. So verhelfen wir Familien aus ihrer Armut.


Die Alphabetisierungskurse :

Die Frauen werden im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. Mit drei der geplanten Kurse wurde schon vor einem Jahr begonnen: in Kossi Kiti und Talo Gbomaho. (Leider hat der Lehrer in Klala uns verlassen!). Die eifrigste Gruppe ist die von Talo Gbomaho, dort unterrichten auch unsere 2 Weltwärts-Freiwilligen, Hanne und Hannah.

Alphabetisierungskurs in Talo Gbomaho mit Hannah et Hanne

Wer wird unser Projekt fördern ?

LHL wird einen Antrag beim BMZ (Bundesministerium für Zusammenarbeit) stellen. Hier sind die Bedingungen:

Sie sehen also : Jeder Euro hat schon eine Kaufkraft in Togo, die 12 bis 15 mal höher ist als hier… und er wird noch multipliziert durch 7,5 dank BMZ! So werden Träume wahr, und nur so können schöne Projekte realisiert werden.

Wie ich haben Sie auch die traurigen Bilder von Lampedusa gesehen: sie haben mich überzeugt, dass es absolut vorrangig ist, den Afrikanern in Afrika selbst zu helfen, damit sie sich weniger von der Utopie der Emigration verführen lassen.

Deswegen möchten wir einen Antrag für ein zweijähriges Projekt über € 40 000 stellen, das heißt wir verpflichten uns, jedes Jahr € 2.000 durch Spenden aufzubringen. Bis jetzt haben uns viele von Ihnen geholfen, sogar ein Unternehmen, Compass in Köln (http://www.compass-cbs.de ). Dafür möchte ich mich bedanken!

Außerdem hat unser Togo-Projekt in diesem Jahr den 1. Preis von € 1.000 beim Wettbewerb von Bridge-It bekommen und den 3. Preis von € 1.000 beim Wettbewerb der Stadt Düsseldorf „Klimahelden gesucht“ gewonnen!

Dies motiviert mich natürlich sehr!

Ich bin sicher, dass mein Traum in Erfüllung gehen kann. Es wäre schön, wenn Sie LHL dabei helfen könnten. Alle Spenden werden mit einer Spendenbescheinigung für die Steuer belohnt. Aber egal wie Sie sich entscheiden, ich werde mich auf Ihre Ermutigungen freuen, und werde Sie auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.

Allen ein ehrliches Dankeschön für Ihre Unterstützung und Ihre Großzügigkeit!

Alle Arbeit im Vorstand wird ehrenamtlich getan, jeder Euro, der LHL gespendet wird, kommt ungemindert unserem Projekt zugute!

Chantal Kloecker

Die neue SEPA-Kontonummer für Spenden an LHL auf das Konto der Volksbank Vechta:  BIC-Nummer: GENO DE F1 VEC, IBAN: DE05 2806 4179 0135 875809 Verwendungszweck: „TOGO“ + Ihre Adresse

Chantal Yawa Kloecker