Konkreter Friedensdienst in Togo


Konkreter Friedensdienst 

trägt reiche Frucht in Togo


Reisebericht von Marine Kloecker

2. August 2012 – 14. April 2013

Am 2. August bin ich, wie geplant, sicher in Lomé gelandet.
Mit meiner Gastfamilie Todjro habe ich mich auf Anhieb gut verstanden. Es ist eine typische afrikanische Großfamilie. Das Familienoberhaupt heißt Kokou, war Offizier in der Armee und ist jetzt pensioniert. Er lebt mit seinen zwei Ehefrauen und vier seiner sieben Kinder zusammen.
Eigentlich sollte es mit der Schule am 24ten September losgehen, doch die Umstände in Togo sind schwierig, die Bezahlung der Lehrer viel zu niedrig, weswegen ein Streik den Schulanfang um zwei Wochen verzögert hat. Das war jedoch nicht schlimm, denn somit hatte ich viel Zeit, mich einzuleben und Land und Leute kennenzulernen.

Fetisch-Markt Lomé



Afrikanische Tänze im Dorf Lavanion.


Auch habe ich alle Mitglieder unserer Partnerorganisation ADICH kennengelernt.


Mitglieder von ADICH, meine Mutter Chantal Kloecker, Hannah und Hanne (Programm Weltwärts-Eine Welt Netz NRW)

An zwei Nachmittagen in der Woche arbeite ich wie geplant im Collège Kossi-Kiti.


Durch Zufall habe ich die Schule Vivenda für Gehörlose entdeckt. Der Verantwortliche ist dort allein und einziger Lehrer von 15 Kindern. Seit Jahren arbeiten dort Weltwärts-Freiwillige. Vormittags und an meinen freien Nachmittagen habe ich auch dort gearbeitet. Somit hatte ich zwei Projekte auf die ich jetzt näher eingehen werde.



Projekt Collège Kossi Kiti.

Das Collège Kossi Kiti ist eine weiterführende Schule (6te bis 9te Klasse) mit insgesamt 900 Schülern, in einem Dorf um Atakpamé. Ich habe dort 4 Wochen lang Herrn Amegnaglo, ein Mathelehrer, in der 8ten Klasse begleitet, solange, bis ich mich an die togolesische Lehrmethode gewöhnt hatte, die dem französischen Schulsystem sehr ähnelt. Dann haben wir zwischen den 220 Achtklässlern 20 Kleingruppen formiert, mit denen ich jetzt abwechselnd zweimal die Woche zwei Stunden lang Matheaufgaben gelöst habe. Am Anfang haben mich die Schüler wegen meines französischen Akzentes schlecht verstanden, doch haben sie sich innerhalb einiger Tage schnell daran gewöhnt und sich auch mehr getraut mitzumachen.

Dieses Projekt habe ich jedoch im Dezember aufgegeben, aus zwei Gründen. Erstens habe ich mich dazu entschieden mich mehr für das Projekt für Gehörlose einzusetzen. Hinzu kommt, dass ich dort Probleme mit meiner Gesundheit hatte, zwischen Malariaanfällen und Erkältungen verschiedene Darmkrankheiten, die durch Stress begünstigt wurden. Das Klima wurde auch immer heißer und trockener, sodass ich mich etwas schonen musste. Letztendlich habe ich also innerhalb 10 Wochen mit jeder Gruppe nur einmal Unterricht machen können.


Projekt Vivenda


Die Gehörlosenschule Vivenda geht zurück auf die Privatinitiative eines togolesischen Pastors. Insgesamt gibt es in Togo vier Vivenda-Schulen, die drei anderen befinden sich in Lomé, Sokodé und Kpalimé. Die Vivenda Schule in Atakpamé befindet sich in der Mitte des großen Marktes. Sie wird kaum mehr von dem Gründer beachtet und befindet sich derzeit unter der Leitung von Daniel Dake, der auch der einzige Lehrer dort ist. Da er die 15 Schüler alleine jedoch kaum betreuen kann, helfen ihm schon seit Jahren Weltwärts-Freiwillige. Die Arbeit dort hat mir sehr gefallen

Die Kinder (zwischen 5 und 19 Jahren) sind sehr interessant, vor allem die Mimik von gehörlosen Kindern finde ich persönlich faszinierend.

Ich habe mit der ersten Klasse gearbeitet (6 Schüler). Darunter befand sich ein Kind, was am Anfang Einzelbetreuung benötigte. Er ist 5 und ist wahrscheinlich ohne viel Kommunikation aufgewachsen. Er ist sehr turbulent und durch eine sehr defensive Haltung oft sehr aggressiv. Die anderen Kinder lernten das Lesen, Schreiben, Rechnen und natürlich Gebärdensprache. Dabei galt es, nachdem die Kinder alle Buchstaben gelernt hatten (mit passendem Zeichen), die Sache selbst, mit dem passendem Zeichen und dem Wort, was die Sache umschreibt, zu verbinden. Dazu sollte jedes Wort auch immer buchstabiert werden, damit das Kind die richtige Reihenfolge lernt. Sie können durch ihr Handicap nicht die einzelnen Wortlaute mit dem Sprechen verbinden. Trotzdem habe ich ihnen, auch wenn der Lehrer es als nutzlos sieht, auch die passende Lippenbewegung beigebracht. Erstens konnten sie so lernen, Wörter tatsächlich auszusprechen. Zweitens haben sie durch diese zusätzliche Mimik schneller gelernt. Und drittens konnten sie so lernen, zu ihrer Gebärdensprache zusätzlich die passenden Lippenbewegungen nachzuahmen, was ihnen in der Gesellschaft die Integration durch bessere Kommunikation vereinfachen wird.

Zeigt mir wo der Himmel ist!“

Entweder die verschiedenen Sachen werden in echt gezeigt und mit dem passenden Zeichen verbunden, oder es wird ein Bilderbuch benutzt.

Es gibt in dieser Schule jedoch große Schwierigkeiten. Zum einen kann sich durch eine schlechte Verwaltung der Gelder die Schule nicht weiterentwickeln. Zum anderen steht harte körperliche Bestrafung der Kinder an der Tagesordnung. Dies hat als Konsequenz, dass sich über die Jahre die Partner zurückgezogen haben. Die Schule ist auch zu klein um den vielen Kinder aus den Dörfern, deren Handicap oft durch fehlende medizinische Versorgung in der Kindheit entstanden ist, eine Bildung zu ermöglichen.

Aus dieser Situation hat sich eine Initiative von fünf Personen ergeben, um eine neue Schule zu errichten, ohne jedoch die gegenwärtig existierende benachteiligen zu wollen. Es handelt sich um drei Togolesen von denen zwei von Beruf Entwicklungshelfer sind und zwei deutschen Freiwilligen, mich eingeschlossen. Derzeit wird noch ein passendes Grundstück etwas außerhalb der Stadt gesucht. Hier findet sich die Grundidee des Projektes.



Auf dem Weg zu einer neuen Gehörlosenschule mit einem neuen Konzept...


Die Situation behinderter Kinder in Togo

Nicht alle Kinder gehen in Togo zur Schule, vor allem Mädchen leiden darunter, dass ihre Eltern es sich nicht leisten können, alle ihre Kinder zur Schule zu schicken. So wird die Erziehung der behinderten Kinder als besonders zweitrangig angesehen. Einerseits schämen sich die Eltern für diese Kinder, behalten sie im Haus ,damit die Nachbarn auf keinen Fall die „verfluchten“ Kinder zu Gesicht bekommen, und andererseits sind sie überzeugt, dass diese Kinder niemals so viel lernen werden können wie ihre Geschwister. Oft kommunizieren sie mit ihnen nur das Nötigste so dass die Kinder manchmal sehr isoliert aufwachsen. Sie können sich nicht vorstellen, dass ihre Kinder in der Lage sind, eine Sprache mit hunderten von Zeichen zu erlernen sowie einen Beruf.

In Atakpamé gibt es nur eine Gehörlosenschule, die nicht alle Kinder der Umgebung aufnehmen kann. Außerdem sind die Lehrmethoden dort nicht mit den Grundrechten der Kinder vereinbar.
Dies sind die Gründe warum wir eine neue Gehörlosenschule gründen wollen, die alternative Erziehungsmethoden anwenden wird.


Vier Grundprinzipien


ALTERNATIVES ERZIEHUNGSMODELL


Erziehung ohne körperliche Bestrafung
Auch wenn das togolesische Gesetz es verbietet, bleibt das Schlagen der Schüler hier eine der meist angewendeten Bestrafung. Doch dies traumatisiert gerade behinderte Kinder besonders. In der neuen Schule wird somit der Vertrag mit dem Lehrer eine Klausel die dies verbietet beinhalten.

Auf die Individualität jedes Schülers eingehen

Die Lehrer und Freiwilligen werden Frontalunterricht meiden und sich den Schwierigkeiten jedes Schülers anpassen.


INTEGRATION


Kostenlose Seminare für Eltern und Umfeld

Die Gehörlosenschule wir kostenlose Stunden anbieten um dem Umfeld des Kindes ein richtiges Grundvokabular beizubringen, damit dass Kind zuhause dieselben Zeichen wie in der Schule anwenden kann.

Erlernen der Lautsprache
Was viele Menschen hier nicht wissen, ist dass die meisten gehörlosen Menschen tatsächlich das laute Sprechen erlernen können, die Regenbogenschule möchte diese weitere Form der Integration in Form von Einzelkursen anbieten.

Schnuppern in die Arbeitswelt
Erwachsene Gehörlose aus Atakpamé haben sich bereit erklärt den Kindern in Mini-Praktika Berufe zu zeigen (Nähen, schreinern etc.). Es gibt ein Projekt von einer NRO in Atakpamé, die Näherinnen, Friseurinnen usw. in Gebärdensprache ausbildet, damit diese auch gehörlose Menschen berufliche Ausbildungen anbieten können.


KUNST UND SELBSTFINANZIERUNG DER SCHULE


Theater und Tanz
Gehörlose Kinder haben eine sehr starke (Gesichts-)Mimik, weswegen die Regenbogenschule Theaterstücke vorbereiten wird. Außerdem spüren sie die Vibration der Trommeln und können so auch rhythmisch tanzen lernen. Die Tanzgruppe Zogbeadji hat sich bereit erklärt Tanz und Theateraufführungen mit den Kindern vorzubereiten, die auch Geld für die Schule einbringen könnten.


Kunst
Behinderte Kinder haben ein großes Mitteilungsbedürfnis weswegen die neue Schule Kunst- und Bastelstunden eine große Wichtigkeit beimessen wird. Die von den Kindern gebastelten Postkarten, Ketten und Armbänder werden dann in Deutschland und Togo verkauft werden können, sodass die Schule sich zum Teil selbst finanzieren kann.


NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Menschenrechte
Die Kinder werden aufgeklärt über die Grundrechte jedes Menschen, insbesondere auf die Rechte der Kinder und auf alle Formen der Diskriminierung wegen Religion, Hautfarbe, körperliches Handicap und vor allem über die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen

Landwirtschaft und Tierzucht
Die Gehörlosenschule wird auf ihrem Grundstück eine kleine Hühnerzucht haben und einen kleinen Garten wo die Kinder Nahrungsmittel für die Schulkantine und Heilpflanzen wie Artemesia (gegen Malaria) aufziehen werden.

Aufforstung
Die Kinder werden in der Schule für die Probleme, die die Abholzung nach sich zieht sensibilisiert. Jedes Kind wird auf dem Grundstück einen Baum pflanzen, um den es sich über das Schuljahr kümmern wird.

Sensibilisierung über die Probleme der Müllentsorgung.
Die Gehörlosenschule wird den Kindern beibringen, den Müll richtig zu entsorgen und Ihnen nahe legen, warum dies für die Böden und das Grundwasser wichtig ist.

Sexualaufklärung und Gesundheitsaufklärung
In der Schule wird den Kindern das Problem von sexuell übertragbaren Krankheiten, der jungen Mütter und andere hygienische Maßnahmen beigebracht.


Stand des Projektes Mai 2013

Durch die Gelder vieler hilfsbereiter Menschen konnte unser Projekt schon im Jahr 2013 erfolgreich starten. Wir haben zu fünft die Organisation „Engagement Enfants sans Limites“ (eesltogo@gmail.com) gegründet. Unser Ziel ist es, innerhalb dieses Jahres die neue Gehörlosenschule zu errichten. Die Fördergelder, die uns derzeit zu Verfügung stehen reichen aus, um das Grundstück zu kaufen und das Gebäude zu errichten. Leider ist es in Togo immer sehr schwierig das richtige Grundstück zu finden. Entweder, der Boden ist schlecht oder es gibt eine Überschwemmungsgefahr. Hinzu kommt, dass Grundstücke oft Familienkonflikte auslösen, dessen Opfer am Ende der Käufer selbst ist. Im schlimmsten Fall wurde das Grundstück schon mehrmals verkauft, sodass der voreilige Käufer nach dem Bauen böse Überraschungen erlebt, wenn sich plötzlich unbekannte Personen als Eigentümer herausstellen. Aus diesen Gründen sind schon fünf Monate vergangen, seit wir die Suche nach einem passenden Grundstück begonnen haben. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass wir nun mit Hilfe einer Immobilienagentur das passende Terrain gefunden haben, ganz in der Nähe des Zentrums von Atakpamé.

Für mich ist dieses Projekt sehr wichtig, da ich mich nachhaltig für eine Sache in Togo einsetzen möchte und erste Erfahrungen im Bereich Entwicklungshilfe erlangen möchte.

In diesem Sinne, Danke für das Lesen.

Akpe Kaka!

Marine Kloecker