1. Barnstorfer Pyrolysetage 2013

Bericht zum Seminar 2013

 „Wie kann der Pyrolysekocher die Armut in Afrika bekämpfen?"          

Am 11. und 12. Okt. 2013 hatten wir zu diesem Seminar nach Barnstorf eingeladen. Der Begriff „Pyrolyse“ bedeutet „Vergasung“, in diesem Falle „Holzvergasung“. Holz oder andere biologische trockene Materialien werden erhitzt, so dass alle flüchtigen Bestandteile frei werden. Die flüchtigen Gase sind leicht entzündbar, also brennbar. Mit diesem Feuer kann gekocht werden. Das Besondere bei diesem Vorgang ist, dass nicht alle organische Bestandteile verbrannt werden, sondern dass nicht verbrannte, nur entgaste Mengen an Holz/Pflanzen-Kohle übrig bleiben. Mit dieser Kohle kann der Gartenboden nachhaltig verbessert werden, da die Kohlereste besonders viel Feuchtigkeit und damit auch Nährstoffe im Boden speichern. Wenn man die Kohle noch mit anderen organischen Materialien sozusagen vergären läßt, erhält man eine Art „Terra Preta“, eine andauernd fruchtbare Bodenart. Zu den nutzbaren organischen Materialien gehören auch menschliche Fäkalien, die man durch Trockentoiletten gewinnen kann.

Das brennendste aktuelle Problem in Afrika ist die Verbesserung der Ernährungssituation, vorrangig der Kleinbauern.  Es zeigt sich, dass ein PYROLYSE-HERD hilft, in vielerlei Weise die Probleme der Kleinbauern zu verringern. Diese Herde benötigen sehr viel weniger Brennholz als das übliche DREI-STEINE-FEUER. Zudem lassen sich alle organischen Abfälle zu Briketts verarbeiten  und so als Brennstoff nutzen. Und die dabei entstehende Pflanzenkohle hilft die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig zu verbessern, ohne dass teure mineralische Dünger gekauft werden müssen.  Mit Hilfe von Trockentoiletten kann zudem ein hygienisches Sanitärsystem eingeführt werden.

Das Thema „Pyrolyse-Herd“, seine technische Beschaffenheit und die Voraussetzungen seiner Produktion in Afrika vor Ort, die Produktion von Bio-Briketts und die Verwertung der Pflanzenkohle zur Bodenverbesserung behandelte in mehreren Referaten und auch Vorführungen Jörg Fingas von der Organisation „Climatefarming e.V.“. J. Fingas konnte dabei seine vielseitigen Erfahrungen in Afrika vorstellen.

Das Thema „Über das <stille Örtchen> geruchlos über Pflanzenkohle die Bodenfruchtbarkeit steigern“ behandelte ausführlich und überaus interessant Prof. Dr. Otterpohl aus Hamburg.

Die abschließende Beratung durch die Vereinsmitglieder wie auch durch die verschiedenen Projektbetreuer ergab, dass ein solch komplexes Projekt sorgfältig angegangen werden muß, da mehrere Innovationen für die Menschen vor Ort damit verbunden sind: der technisch neue Herd, die Nutzung von bisher nicht nutzbaren organischen Materialien als Brennmaterial, die Nutzung von Trockentoiletten und die Produktion von Terra-Preta-Kompost zur nachhaltigen Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit.(Weihnachts-Rundbrief LHL 2013)



Fachseminar zum 25jährigen Jubiläum von LHL:

Wie kann mit dem Pyrolysekocher die Armut in Afrika bekämpft werden?

Veranstaltungsort: Welthaus in Barnstorf (Niedersachsen)

Programm als pdf (126,3 kb)

ANMELDUNG als pdf (54 kb, hier runterladen, ausdrucken und abschicken)

Freitag 11. bis Sonntag 13. Oktober 2013 

Freitag, 11. Oktober 2013

bis 17.00 Uhr Anreise, Zimmerverteilung, Kaffee

17.30 Uhr Eröffnung der Veranstaltung

Von der Pflanzenkohle zum „schwarzen Gold“ - Neue Wege für die Haushaltsenergie in Afrika

Begrüßung durch den Vorsitzenden von LHL, J.Marquardt, Grußworte

18.00 Uhr : Jörg Fingas: Wie kann ein Herdfeuer Pflanzenkohle produzieren?

18.15 Uhr Wie über das „stille Örtchen“ in Afrika geruchlos über Pflanzenkohle die Bodenfruchtbarkeit gesteigert werden kann.

Prof. Dr. Otterpohl (Technische Universität Hamburg)

In Afrika sind Böden schnell ausgelaugt. Kunstdünger ist zu teuer und hilft nur begrenzt. Prof. Otterpohl zeigt auf, welche Möglichkeite sonst noch bestehen.

19.15 Uhr: gemeinsames Abendessen

20.15 Uhr: Podiumsgespräch : Ist der Pyrolysekocher eine Chance für Afrika? Entwicklungspolitische Perspektiven für die Pflanzenkohle – mit den Referenten Prof. Otterpohl, Jörg Fingas, Mareike Tobiassen, Robert Gensch. Moderation: Heinz Rothenpieler

Samstag, 12. Oktober 2013

09.00 Uhr Prof. Dr. Otterpohl: Möglichkeiten mit der Terra-Preta Sanitation, Ecosan in Entwicklungsländern

10.00 Uhr Jörg Fingas: Fallbeispiele zum Thema: Warum Pyrolysekocher? Bisherige praktische Erfahrungen in Senegal und Burkina Faso sowie Planung für Burkina Faso.

10.45 Uhr Jörg Fingas: Wie funktioniert der Kubus-Kocher?

11.00 Uhr Mareike Tobiassen: Indische Erfahrungen mit dem Pyrolysekocher „Champion“, Biomassepotential, Pflanzenkohle-Ertrag, Emissionsminderung, Akzeptanz, evtl. mit Demonstration des Champion-Pyrolysekochers

12.00 Uhr Jörg Fingas Verfahren zur Konditionierung von Biomasse als Brennstoff Brikettierung oder Pelletierung vor oder nach Pyrolyse?

13.00 Mittagessen

14.00 Uhr Robert Gensch (German Toilet Organisation): Menschlicher Mist ist Gold wert – aber, was tun? Das Beispiel von Schultoiletten: Wie können menschliche Ausscheidungen gefahrlos und nutzbringend verwertet werden?

15.00 Uhr Jörg Fingas: Wie Biomasse viereckig gemacht wird und als Brikett Holz ersetzt. Könnte die ein Beitrag zur Reduzierung der Entwaldung sein?

16.00 Uhr, Podiumsgespräch mit den Referenten: Die Frage der Akzeptanz in Afrika. Wie können die neuen technischen Möglichkeiten für breite Bevölkerungskreise attraktiv werden? Moderation: Heinz Rothenpieler.

18.30 Uhr Abendessen, anschließend: gemütliches Beisammensein

Sonntag, 13.Oktober 2013

09.30 Uhr Abschlußgespräch, Resümee. Welche Bedeutung hat der Pflanzen­kocher für die künftige Arbeit von Lernen-Helfen-Leben e.V.? Wie können wir zum Thema weiterarbeiten. Gespräch mit Referenten und Teilnehmern. 12.00 Uhr Mittagessen, Abschluß der Veranstaltung.