LHL in der Presse - 2010


Ein Interview:


Der Kongo in der Ostseezeitung, Lokalteil Rügen, vom 22. November 2010


Herr Rothenpieler, die Menschen im Kongo liegen Ihnen und der Hilfsorganisation Lernen-Helfen-Leben sehr am Herzen. Warum?

Afrika gilt als der "vergessene Kontinent", besonders der Kongo. Das Land hatte jahrelang Krieg. Die frühere amerikanische Außenministerin Albright sprach vom "3.Weltkrieg in Afrika", mit über 4 Mio. Toten. Dies ist in Europa kaum wahrgenommen worden oder nur als "Bürgerkrieg", was dies aber nicht war. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit den Menschen dort und versuchen den Ärmsten zu helfen durch Mikrokredite, Integration ehemaliger Kindersoldaten, mit holzsparenden Öfen, Aufforstung und vielen anderen Projekten. Der Kongo gehört - trotz Rohstoffreichtum - zu den ärmsten Ländern der Welt und hat laut Index der Welthungerhilfe weltweit die meisten Menschen, die nicht genug zu essen haben.


Die weltweite Jagd nach Rohstoffen hinterlässt auch im Kongo Tag für Tag ihre blutige Spur. Für die USA gehört das "Herz Afrikas" zu den gefährlichsten Regionen der Welt. Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit sich das ändert?

Besonders im Kriegsgebiet, im Osten des Landes, finden sich viele seltene Rohstoffe, z.B. das Coltan, das seit den 90er Jahren für Mobiltelephone benötigt wurde. So wie die Damen nicht gerne "Blutdiamanten" um den Hals tragen, sollten wir auch nicht länger zulassen, daß Rohstoffe rücksichtslos und illegal ausgeplündert werden, ohne daß die Bevölkerung etwas davon hat. Die Bewohner der Demokratien müssen hier wachsamer sein! Im Kongo selbst muß erstens das Justizsystem gestärkt werden. Ein Hauptproblem ist die Straflosigkeit. Zweitens muß die staatliche Korruption bekämpft werden, die seit der jahrzehntelangen Mobutudiktatur nach der Ermordung Lumumbas dem Land großen Schaden zufügt. Inzwischen können wenigstens in Deutschland die Konzerne Schmiergelder in Drittweltländern nicht mehr von den Steuern absetzen, wie das vor ein paar Jahren noch gang und gebe war.

Drittens muß die Demokratie gestärkt werden. Das demokratisch gewählte nationale Parlament und die Regionalparlamente zeigen was möglich ist, wenn sich die Demokratie festigt. Leider wurden bisher noch nie Kommunalwahlen durchgeführt, sodaß hier immer noch ernannte Personen das Sagen haben. Eine große Hoffnung ist die starke Zivilgesellschaft mit ganz vielen Vereinen und Genossenschaften. Schließlich müssen Konsequenzen aus den UNO-Untersuchungen gezogen werden, die der internationalen Staatengemeinschaft zahlreiche Empfehlungen für ihre Kongopolitik gegeben haben.


Was berührt Sie besonders, wenn Sie bei Besuchen in Afrika konkret mit den Problemen konfrontiert werden?

In den großen Städten ist die häufige Begegnung mit Bettlern nicht einfach, die natürlich ahnen, daß alle Weiße Geld in der Tasche haben. Von mir bekamen immer grundsätzlich behinderte Menschen und Kriegsversehrte etwas, weil für sie meist nicht gesorgt ist. Ansonsten ist oft die Armut sehr groß. Immer wieder überwältigend ist zu sehen, daß die Menschen trotzdem ihr Lachen nicht verloren haben, fröhlich sind, hilfsbereit und gerne ihr Weniges mit dem Gast teilen wollen. Eine Frauengruppe, welche von uns Mikrokredite bekommen hatte, wollte mir unbedingt vier oder fünf Taschen voller Früchte ihrer Gärten schenken, was mich sehr in Verlegenheit brachte. Die Lösung war, daß ich sagte, ich würde jetzt zwar gerne mit ihnen ein Fest feiern und dann könnten wir dies alles gemeinsam verzehren. Leider könne ich nicht mitfeiern, weil noch andere Gruppen auf mich warteten. So bat ich sie, alleine, ohne mich, mit diesen Früchten ein Fest zu feiern und gab ihnen dies zurück. Das wurde sofort akzeptiert, der Jubel war groß.


Auch Rüganer kümmern sich als Paten eines Projekts um Kinder im Osten der Republik Kongo. Diese Zuwendungen für den kleinen Waldkindergarten dürften zwar nur der "Tropfen auf den heißen Stein" sein. Dennoch kann auch mit kleinen Spenden viel bewirkt werden. Könnten Sie ein paar Beispiele nennen?

Für den Waldkindergarten in Mushenyi ist die Unterstützung kein "Tropfen auf den heißen Stein", sondern eine substantielle Förderung für Kinder und Jugendliche. Niemand sonst kümmert sich um sie, viele der älteren können nicht zur Schule gehen, weil Schulgeld fehlt. Diese Kinder sind für uns aber in Zukunft sehr wichtig, weil wir dort ein großes Aufforstungsprojekt haben. Die Kinder sollen lernen, diesen Wald und die Natur zu beschützen und zu bewahren, den Pflanzenreichtum und ihre Nutzung kennenlernen. Sie legen kleine Gärten an usw. Im gleichen Ort fördern wir seit Jahren eine Schreinerwerkstatt und eine Bäckerei für ehemalige Kindersoldaten, die dadurch resozialisiert werden und einen Beruf erlernen. Anfang diesen Jahres wurde dort übrigens der erste holzsparende Lorena-Backofen installiert. Viele Haushalte in Mushenyi kochen inzwischen ebenfalls auf holzsparenden, raucharmen Öfen. 90 % der Menschen südlich der Sahara kochen mit Holz, für dessen Suche viel Zeit draufgeht oder für das Geld bezahlt werden muß.


Wie bewerten Sie das Engagement der Rüganer?

Ein Projekt im fernen Afrika ist für das Rote Kreuz auf Rügen eine ideale Ergänzung. Wir leben alle in der EINEN WELT und können nicht die Augen verschließen vor Problemen, die oft erst durch die Industrieländer in den Entwicklungsländern verursacht wurden. Deshalb freut mich sehr, daß dieser Waldkindergarten auf Rügen solch eine breite Resonanz gefunden hat, sodaß die Anschubfinanzierung gesichert ist. Das Rote Kreuz kümmert sich natürlich weiterhin in erster Linie um die Rüganer, ist aber gleichzeitig eine weltweite Bewegung und deshalb macht Sinn, dies auch durch solch ein Projekt sichtbar werden zu lassen.

Der Kongo ist ein wunderschönes Land. Die Gegend um den Kivusee wurde früher als die "Schweiz Afrikas" bezeichnet. Das Land hat über ein Dutzend von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestufte Nationalparks. In den Virungabergen leben die letzten Berggorillas. Aufgrund ihrer Armut können die Menschen alleine diese Naturschönheiten nicht bewahren. Hier muß die internationale Gemeinschaft helfen. Vielen Dank, daß die Rüganer in einem kleinen Dorf im Ostkongo solch ein Zeichen der Hoffnung setzen!

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LHL im Gespräch:
In den letzten Wochen (September bis Anfang Oktober 2010 war unser Projektpartner Augustin Konda aus Kinshasa zu Besuch in Westfalen bei LHL-Vorstandsmitglied Irène Freimark-Zeuch. Die Lokalzeitung "Soester Anzeiger" berichtete über den Gast...

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Französisch wird nicht nur in Paris gesprochen

Artikel über die Französischlehrerfortbildung von LHL (237,7 kb, pdf) in einer Zeitung für Hildesheim