Afrika-Seminar 2012


Bericht im Soester Anzeiger


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Umwelt- und Klimaschutz:

Deutsche Teilnehmer als Zaungäste

LHL und FUgE-Hamm moderieren Süd-Süd-Begegnung

Soest, 17. Juni 2012. Diese Woche ist „Klimawandel“ Topthema. Mittwoch beginnt in Rio de Janeiro die UNO- Klimakonferenz „Rio+20“, um Dämme gegen den Klimawandel zu verstärken. Doch Marco da Costa Melo aus Brasilien, der in Hamm die Eine-Welt-Arbeit der Hellwegregion mit der FUgE koordiniert, hatte Afrikaner ins Haus Düsse der Landwirtschaftskammer nach Ostinghausen bei Bad Sassendorf eingeladen. Thema „Klimaschutz in Afrika“ - und sogar für die Landwirtschaftskammer ist „Klimawandel“ Topthema mit einer Untersuchung zu den Auswirkungen auf NRW.

(Photo: I.Freimark-Zeuch)

Die FUgE hatte den Verein Lernen-Helfen-Leben mit seinen Gästen aus fünf afrikanischen Ländern ins Haus Düsse geholt. Augustin Konda berichtete, in diesem Jahr habe der große Kongofluß am Ende der Regenzeit bei der Hauptstadt Kinshasa nur halb soviel Wasser geführt wie in früheren Jahren. Yahaya Ahmed zeigte eindringlich, wie Abholzung zur Wüstenausbreitung im Norden Nigerias führte. Dadurch treiben Viehzüchter ihre Herden immer weiter in den Süden, und lassen die Felder der Ackerbauern kahl fressen. Das sind die Konfliktursachen in seinem Heimatland – nicht Christentum oder Islam. Monsieur Fenou aus Togo berichtete über Abholzung für den Wanderfeldbau – obwohl fast nichts mehr abzuholzen ist. Der Tropenforstwirt Philipp Jülke vom Verein Prima Klima in Düsseldorf zeigte anschaulich wie Aufforstung und Forstwirtschaft funktionieren könnten – im Kongo und Augustin Konda ergänzte wie erfolgreich das traditionelle Wissen der Alten bei seinen Projekten einbezogen wird. Die Referenten zeigten eindrücklich wie Abholzung zu Erosion und Bodenverarmung führt. Deshalb war Star der Veranstaltung der tschadische Landwirtschaftsfachmann Abdallah Diop, Absolvent der landwirtschaftlichen Hochschule in Witzenhausen bei Kassel. Diop promoviert zum Thema „Kompost“. Die afrikanischen Teilnehmer waren von seinen Ausführungen so beeindruckt, daß sie noch eine Extrarunde zur Kompostherstellung organisierten, die Diop souverän auf deutsch und französisch absolvierte und nebenbei den Teilnehmern jede Angst nahm, sich die Hände schmutzig zu machen.

Als Sonntagmorgen die nigerianischen Gäste hörten, in ihrer Heimatstadt Kaduna seien mal wieder einige Bomben hochgegangen, beschlossen sie, ihre Regierung zu überzeugen – man höre und staune – einen Paradigmenwechsel herbeizuführen: Was den Pflanzenwuchs zum Explodieren bringt und deshalb in ihrem Heimatland an jeder Ecke zu bekommen ist, eignet sich leider auch zum Bombenbasteln: Kunstdünger wird in riesigen Mengen in der nigerianischen Landwirtschaft eingesetzt. Seit Sonntag lautet die Parole: „Kompost“ müsse die Alternative sein. Jetzt soll die nigerianische Regierung davon überzeugt werden, daß Kompostfortbildung, so wie Diop am Wochenende das in Ostinghausen praktiziert hat, landesweit den Kunstdüngerbedarf drastisch reduzieren müsse und somit bliebe auch vorerst der Nachschub für die Bombenbastler aus. Diop ist inzwischen sowohl nach Nigeria als auch in den Kongo eingeladen und was sonst im Haus Düsse nicht beobachtet werden kann ist Fazit der FUgE-Veranstaltung: Die deutschen Teilnehmer blieben Zaungäste einer Süd-Süd-Kooperation, die ganz erfolgreich in der Soester Boerde praktiziert wurde. (HR)


Die Tagung wurde gefördert von der

Ein zweiter Bericht:

Klimawandel und Landwirtschaft in NRW“ ist Thema der neuesten Veröffentlichung der Landwirtschaftskammer in Ostinghausen bei Bad Sassendorf. Am letzten Wochenende hatten Gäste aus über 5 afrikanischen Ländern und aus der Hellwegregion im dortigen Tagungshaus „Düsse“ das gleiche Thema – bloß hing eine Karte von Afrika an der Wand. Eingeladen zum Afrikaseminar hatte die FuGE Hamm den Verein Lernen-Helfen-Leben e.V., der in zahlreichen Ländern Afrikas vorwiegend Klimaschutzprojekte fördert. Dessen afrikanische Gäste berichteten aus Nigeria, dem Tschad, aus Togo, Ghana und der Demokratischen Republik Kongo. Der Holzbedarf für Haushaltsenergie ist enorm. Ganze Wälder werden verfeuert. Der Boden leidet unter Erosion, die Regenzeiten werden kürzer, die Temperaturen steigen. LHL fördert holzsparende Öfen, Wiederaufforstung und Verbesserungen in der Landwirtschaft.

Höhepunkt der Tagung war eine Debatte zwischen dem Botaniker Augustin Konda aus dem Kongo und dem Tropenforstwirt Philipp Jülke vom deutschen Klimaschutzverein „Prima Klima“. Jülke forderte mehr Forstwirtschaft und -management in Afrika, während Konda auf traditionelles Wissen um den Ressourcenschutz setzt.               Teilnehmer der "Kongo-Runde" (Photo: I.Freimark-Zeuch)                                             Standen die afrikanischen Teilnehmer am Anfang noch etwas abseits, die Organisation einer Übersetzung ins Englische und Französische war schlicht vergessen worden und die ganze Welt spricht (leider) noch nicht deutsch. Doch hier bewährte sich die Improvisationskunst des Eine-Welt-Promotors Marcos da Costa Melo von der FuGE aus Hamm. Fach- und sprachkundige Teilnehmer sprangen ein und am Ende waren nicht nur neue Freundschaften entstanden, sondern man habe sich „wie in Frankreich“ gefühlt, so ein Teilnehmer. Am Schluß hatten sogar die afrikanischen Gäste das Heft fest in der Hand und bestimmten die Tagesordnung: Ursprünglich sollte Abdallah Diop aus dem Tschad mit Diplom aus Witzenhausen nur ein bißchen von seinen Forschungen zum Kompost berichten, doch das war für alle Afrikaner so spannend, daß sie schließlich noch eine Spezialveranstaltung zu diesem Thema organisierten. Kompost und Bodenverbesserung ist ein Top-Thema, für alle Agrarländer. Und als Sonntagmorgen die nigerianischen Teilnehmer hörten, daß in ihrer Heimatstadt Kaduna mal wieder einige Bomben hochgegangen waren, beschlossen sie, ihre Regierung zu überzeugen – man höre und staune - „Kompost“ müsse die Alternative sein, denn die nigerianischen Bombenbastler nutzen den immensen Bedarf an Kunstdünger für ihr tödliches Handwerk. Was den Pflanzenwuchs zum Explodieren bringt, eignet sich leider auch zum Bombenbasteln. Jetzt soll die nigerianische Regierung davon überzeugt werden, daß Kompostfortbildung, so wie Diop am Wochenende das in Ostinghausen praktiziert hat, landesweit den Kunstdüngerbedarf drastisch reduzieren könnte und somit bliebe auch vorerst der Nachschub für die Bombenbastler aus. Diop ist inzwischen sowohl nach Nigeria als auch in den Kongo eingeladen und was sonst im Haus Düsse nicht beobachtet werden kann ist Fazit der FuGE-Veranstaltung: Die deutschen Teilnehmer blieben Zaungäste einer Süd-Süd-Kooperation, die ganz erfolgreich in der Soester Boerde praktiziert wurde.(HR)

Kommentar von Wilfried Ollenburg, Plön: Ich habe gerne an der Veranstaltung teilgenommen. Es war eine gut organisierte Veranstaltung, auch wenn es hier und da mit der Dolmetscherei kleine Schwierigkeiten gab. Das Problem ist erkannt und wird sich in Zukunft lösen lassen.                                                                                           Die Unterbringung im Haus Düsse war eine sehr gute Sache. Die Zimmer waren sauber und reichten voll aus. Die Verpflegung war sehr gut. Auch der Seminarsaal hat mir gut gefallen. Ganz davon abgesehen, in welch schöner Lage sich das "Haus Düsse" befindet. Da nimmt man gerne den Abendweg von Hamm aus in Kauf. Vielleicht bietet sich der Ort ja für weitere Veranstaltungen an, wenn genügend Beteiligung vorhanden ist. (22.6.12)   

Kommentar von Chantal Kloecker, Neuss: Schon lange wollte ich mich melden, aber ich musste mich zuerst erholen! ....

Rückblickend auf unsere Treffen in Düsseldorf, Münster und Hamm möchte ich mich bedanken bei Euch für die Idee, die Organisation und den Ablauf dieser Tage. Kokou und Clément sind begeistert von unserer Organisation und sehr dankbar, dass sie so viele nette Leute kennengelernt haben. Clément war sehr beeindruckt von der Art, wie wir zusammenarbeiten und hat dank  der fruchtbaren Diskussionen mit Jürgen verstanden, dass man besser arbeitet, wenn jeder Verantwortung übernimmt. 

Beide sind nach Togo zurückgekehrt, sehr motiviert und erstaunt, dass so viele Leute sich engagieren und gut zusammenarbeiten.

Ich fand es auch sehr schön und war sehr glücklich, Yahaya, Addallah und Romain wiederzusehen und Konda und Elysé kennenzulernen.

Kommentar von Bernd Blaschke, Düsseldorf:

Natürlich freue ich mich, dass unsere togolesischen Freunde einen solch positiven Eindruck erhalten haben. Und ich werde auch Yahaya noch einmal konkret befragen was er mitgenommen hat.
Ich selbst habe einen etwas zwiespältigen Eindruck, denn die Auftaktveranstaltung am Freitag in Hamm hat mich sehr beeindruckt, eine Superresonanz und viele Zuhörer, das haben wir noch selten erlebt.
Dagegen fand ich die Vortragsreihe am Samstag doch zu sehr auf nur ein Thema fokussiert und dann steckten viele Wiederholungen drin.
Das Positive an diesem Wochenende war für mich die Möglichkeit, unsere afrikanischen Partner aus Togo und Kongo kennen zu lernen und mich mit ihnen auszutauschen. Hoch interessant die Diskussion über Waldmanagement und traditionelle Waldnutzung am Beispiel Kongo. Zwischen den beiden Philosophien einen Mittelweg zu finden wird eine lange Reise werden. Da bin ich gespannt wie sich die Hochschulkooperation entwickeln wird.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit unseren internationalen Veranstaltungen und es hat sich bestätigt, daß Vorträge mit entsprechenden Länderreferenten überzeugender sind als wenn wir deutsche Referenten an das Pult schicken.

                                                            

Die Tagung wurde gefördert von der



Was macht LHL in Afrika? - Afrika-Seminar in der Hellwegregion 2012 greift LHL-Themen auf


Abholzung in Nigeria (Photo: Yahaya Ahmed)

Hier klicken, um das Programm der Tagung in der Hellwegregion als pdf-Datei zu bekommen (169,1 kb)


Geplantes Programm des Afrika-Seminars


Freitag, 15. Juni 2012, VHS Hamm

17.30 Teilnehmerregistrierung

18.00 Uhr Begrüßung durch Frau Regina Schumacher-Goldner (Leiterin der VHS Hamm), Jürgen Marquardt, Vors. LHL und Dr. Karl A. Faulenbach (Vorsitzender von FUgE Hamm)

18.15 Uhr Einführungsvortrag: „Umwelt, Energie und soziale Bewegung in Afrika“
von Dr. Boniface Mabanza, Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA)

18.45 Uhr Expertenrunde aus West-Afrika und Deutschland, Abdallah Diop (Tschad), Chantal Kloecker (Togo), Yahaya Ahmed (Nigeria), Reinhard Hell-Neubert (Mitarbeiter GIZ, vormals DED-Sambia) und Dr. Boniface Mabanza (KASA)

Moderation: Marc Stefaniak (FUgE/Hammer Forum)

20.15 Uhr Empfang, Imbiss




Samstag, 16. Juni 2012, Haus Düsse, Bad Sassendorf/Ostinghausen

8.00 Uhr Frühstück und Stehkaffee
Erfahrungsaustausch

9.00 Uhr Einführungsvortrag:
Was bewirken Umweltprojekte in Nord-Süd-Entwicklungspartnerschaft?
Welche Erfahrung haben wir mit Umweltprojekten etwa dem Holzsparofen, mit der Produktion von eigenen pflanzlichen Heilmitteln, der Vermeidung von Plastikmüll, dem Bau von PET-Häusern, der Aufforstung oder der angepassten Landwirtschaft?
Wie sehen die Finanzierungsinstrumente etwa Spende, Eigenbeteiligung, CDM-Zertifikat aus?
von Dr. Paul Krämer (Lernen-Helfen-Leben)

Artemisia annua im Kongo - eine Hybrid-Pflanze gegen Malaria (Photo:I.Balagizi)

9.30 Uhr Diskussionsforum
Moderation: Heinz Rothenpieler (Lernen-Helfen-Leben e.V.)

10.00 Uhr Vortrag:
Verminderung des Brennholzbedarfs durch Einführung effizienter Öfen in Nigeria von Yahaya Ahmed (DARE, Nigeria)
Moderation: Bernd Blaschke (Lernen-Helfen-Leben e.V.)


Photo: Yahaya Ahmed

10.45 Uhr Stehcafé
Erfahrungsaustausch

11.00 Uhr Vortrag:
Umwelt- und Regenwaldschutz durch Forstwirtschaft im Ost-Kongo
von Philipp Jülke, Tropenforstwirt, Prima Klima, Düsseldorf
Moderation: Heinz Rothenpieler (LHL)

Aufforstung im Kongo (Photo: H.Rothenpieler)

11.45 Uhr Vortrag:
Bienenweide und Anbau von Heilpflanzen als Walderhaltungs- und Nutzungskonzept
von Augustin Konda ku Mbuta (Kilueka, Kongo)
Moderation/Übersetzung: Irene Freimark-Zeuch (Lernen-Helfen-Leben e.V.)

12.30 Uhr Mittagspause
Erfahrungsaustausch



14.00 Uhr Vortrag:
Die Abholzung und ihre Folgen am Beispiel Ost-Togo
von Clément Fenou, Übers.: Chantal Kloecker (Lycée Fran
çais Düsseldorf)
Moderation: Heike Eggers (Brücken nach Afrika e.V.)

14.45 Uhr Vortrag:
Der Einsatz von organischen Abfällen für Bodenverbesserung im Tschad
von Abdallah Diop (CFDD, N'Djamena/Tschad)
Moderation: Marc Stefaniak

15.30 Uhr Vorstellung der Arbeitsgruppen
durch Dr. Paul Krämer und Yahaya Ahmed

15.45 Uhr Stehcafé
Erfahrungsaustausch



16.00 Arbeitsgruppe I: Leitung: Heinz Rothenpieler
Wie lassen sich Waldschutz und Deckung des Holzbedarfs regional miteinander vereinbaren?

Arbeitsgruppe II: Leitung: Romain Rabearisoa, Madagaskar

Arbeitsgruppe III: Leitung: Abdallah Diop

Toiletten und die Anwendung organischer Abfälle


19.00 Uhr Vorstellung der Ergebnisse der Arbeitsgruppen
Moderation: Heinz Rothenpieler

20.00 Uhr Yahaya Ahmed
Das Bauen mit PET-Flaschen als erschwinglicher Baustoff und die Abfallverwertung in Kaduna, Nigeria

21.00 Uhr Gemütlicher Ausklang/Erfahrungsaustausch.


Sonntag, 17. Juni 2012, Haus Düsse, Bad Sassendorf/Ostinghausen

8.00 Uhr Frühstück und Stehkaffee
Erfahrungsaustausch

9.00 Uhr Diskussionsforum über die Perspektiven der Umweltarbeit in West-Afrika
Leitung: Dr. Paul Krämer (Lernen-Helfen-Leben)

10.00 Uhr Auswertungsrunde des Afrika-Seminars
Leitung: Marc Stefaniak (FUgE/Hammer Forum)

12.00 Uhr Mittagessen und Ende


weitere Infos auch bei: www.fuge-hamm.de

Die Veranstaltung wird in Kooperation mit der FUGE in Hamm organisiert

und wird gefördert von .

Anmeldungen via FUGE-Hamm.