Weihnachtsrundbrief 2011

Dritte Welt ist, wo man unsere Sorgen haben möchte“

Paul Mommertz

Von der Entwicklungshilfe zur Entwicklungszusammenarbeit – LHL e.V. schon seit über 23 Jahren aktiv

Leider hat die aktuelle Politik des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) wiederum die Tendenz, zunächst die Interessen Deutschlands und seiner Industrie bei den Kooperationen mit Ländern der Dritten Welt zu berücksichtigen. Ein Buchtitel lautete einmal sinngemäß: Wo sind die Probleme für unsere Lösungen?“ Diese Politik führt letztlich dazu, daß sich die Länder haushoch verschulden. Aber eines Tages wird die Rückzahlung der Kredite verlangt, und dann kommt die Weltbank daher und oktroyiert radikale Sparmaßnahmen. Die Auswirkungen haben wir in vielen Ländern gesehen: gewaltige Teuerungen und massive Proteste der Bevölkerung, die gar nicht Nutznießer der früher so freigiebig vergebenen Kredite sein konnten.

Seit etlichen Jahren spielen die Industrieländer den armen Staaten vor allem in Afrika in anderer Weise übel mit. Der Vorgang heißt „Land Grabbing“, und dahinter verbirgt sich die Aneignung großer und fruchtbarer Ländereien in Afrika durch Firmen aus den Industrieländern, aber sehr stark auch aus China. Neben diesem unerfreulichen Vorgang beuten die Industrieländer die Bodenschätze in Afrika aus und das ohne wirkliche Rücksichtnahme auf lokale Bevölkerungsgruppen. Dazu Beispiele: In Nigeria und im Tschad geht es um Erdöl, im Kongo um seltene Bodenschätze, die illegal abgebaut und zur Finanzierung der Bürgerkriege genutzt werden. Das Ergebnis: trotz des Reichtums an Bodenschätzen finden sich in Afrika die Staaten mit den ärmsten Menschen, den korruptesten Regierungen und den geringsten Bürgerrechten.

LHL hat immer versucht, seine Projekte so zu gestalten, daß sich die Menschen selbst helfen und ihre Lebensverhältnisse verbessern konnten. Wir haben aber lernen müssen, daß die von uns gehegten Träume, die wir mit mühsam und sorgfältig ausgearbeiteten Projekten verbanden, nicht selten zu wenig effektiv waren, ja sogar auch ohne nachhaltiges Ergebnis blieben, z.B. bei unserem Solarkocher-Projekt in 2004. Solarkocher werden in Afrika kaum angenommen, nicht weil man sie nicht zu nutzen wüßte oder daraus Vorteile ziehen könnte, sondern einfach weil sie nicht in den Rhythmus des Tagesablaufs zu passen scheinen.

Wir haben schon lange erkannt, daß eine technische Lösung nicht der Ausgangspunkt eines Projektes sein kann. Es kommt darauf an, gemeinsam mit den Partnern und deren Organisationen die Situation zu erkunden und dafür angemessene Projekte zu entwerfen. Das sind Projekte der Verbesserung der Ernährungssituation durch Bodenverbesserung etc., durch Einfassung von Quellen und Erstellung von Brunnen zur Versorgung mit sauberem Trinkwasser, durch Förderung des Schulbesuchs vor allem von Mädchen und viele andere lebensnahe Vorhaben mehr.

Das Wichtigste aber darf nicht vergessen werden: die Projekte müssen vor Ort entwickelt und propagiert und durchgeführt werden von einheimischen engagierten Partnern. Wir arbeiten nur noch zusammen mit Organisationen, die geleitet werden von Vorstellungen, die über die Familie und den Clan hinausgehen und erreichen wollen, daß es einer ganzen Region besser geht. Im Folgenden läßt sich diese Art bei allen unseren jetzt sehr vielseitigen Kooperationen vorfinden. Dem entspricht in der Vereinsstruktur von LHL, daß es eine größere Zahl von sehr aktiven Mitgliedern gibt, die die einzelnen Kontakte betreuen und entwickeln helfen. Und damit hat sich LHL einen guten Ruf erworben.

Es ist wirklich nicht möglich, außerhalb einer Mitgliederversammlung die vielen kleinen und größeren Aktivitäten und Kontakte darzustellen, die im Namen von LHL vom Vorstand und Mitgliedern durchgeführt wurden und werden. Dazu gehören z.B. Bewerbungen um Fördergelder, die nicht erfolgreich waren, Besuche bei Förderern und anderen Organisationen, Teilnahme an Seminaren usw. usw. Es lohnt sich aber, die folgenden Berichte zu lesen. Gern stehen wir bereit, alle sich daran anschließenden Fragen zu beantworten.

Wichtige Vorankündigung:

Unsere Mitgliederversammlung im Jahre 2012 wird stattfinden am Sonntag, den 17. Juni, in Soest. Am Samstag davor, am 16. Juni, werden wir wiederum einen Seminartag durchführen, bei dem unsere afrikanischen Partner mit ihren Vorträgen im Vordergrund stehen werden.

Allen Mitgliedern, allen Freunden und den vielen Förderern sagen wir herzlichen Dank für Ihre treue Unterstützung. Auch im Jahre 2012 hoffen wir auf gute Zusammenarbeit und auf eine friedliche Entwicklung hier und vor allem bei unseren Partnern in Afrika.

Möge der Geist der Weihnacht vieles erleichtern.

Ihr (Vorsitzender von LHL e.V.)

Jürgen Marquardt









Neues aus dem Tschad

Schon seit 1995 besteht die Kooperation zwischen LHL e.V. und dem Verein JARABE (Wir bauen das Land auf) in Benoye im Südwesten des Landes etwa 60 km nordöstlich der Großstadt Moundou. Mit unserer Hilfe hat der Verein JARABE die Lebenssituation in dem dicht besiedelten Gebiet deutlich verbessern können. Das im Jahre 2002 mit unserer Hilfe gegründete CENTRE CULTUREL hat das gesamte gesellschaftliche Leben in der Region an sich gezogen. Und daneben ist seit Beginn diesen Jahres ein kommunales Radio in Betrieb, welches der Verein JARABE dank einer Förderung aus UN –Mitteln ohne unsere Hilfe hat errichten können. Der wichtigste Bereich der Kooperation ist seit Beginn der Schulbereich. JARABE betreibt mittlerweile drei Schulen, zweimal ein Collège, was unserer Realschule entspricht, und ein Lycée, einer gymnasialen Oberstufe. Die Schulen werden in der ganzen Region wegen ihrer Ausstattung, vor allem aber wegen der schulischen Erfolge als Modellschulen angesehen. Wie uns immer wieder vom Koordinator Herrn Milisor Kourkaou berichtet wird, bestehen bei den Collège-Schulen so gut wie immer alle das Abschlußexamen nach der 10. Klasse, so auch dieses Jahr wieder. Und auch beim Lycée bestehen fast alle die Abschlußprüfung, das Baccalaureat. LHL kann eine regelmäßige Förderung leider nur dem Collège in Benoye zukommen lassen. Dort übernimmt LHL die Hälfte der Schulgelder für die Mädchen. Und in der Regel sind es die Mädchen, die die besten Schul-Leistungen erbringen.

Treffen in Vechta: Marquardt, Diop, Nica, Vogelsberger (v.l.)



Jürgen Marquardt nahm im Rahmen der AG Tschad, in der LHL seit 2002 Mitglied ist, teil am Kirchentag in Dresden. Dort traf er zwei von der AG eingeladene Gäste aus Moundou, den katholischen Bischof von Moundou und den Dipl.Landwirt Djeralar Miankeol (links im Foto). Die beiden berichteten von den Vorgängen um die Erdölförderung durch ESSO in der Region, unter der fast alle Menschen dort zu leiden haben. So freundlich wie sich diese Firma bei uns in Deutschland gibt, so naßforsch benehmen sich die Mitarbeiter dort im Tschad. Neuerdings sucht auch eine nationalchinesische Firma in der Region nach Erdölvorkommen.

Viele Kontakte sind wichtig, um sich zu vernetzen. Das gilt auch für die Kooperation von LHL mit der französischen NRO Appel Essonne aus Wissous bei Paris, die schon seit 2009 besteht. Für unsere neueste Kooperation haben wir sogar einen Förderpreis der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart in Höhe von € 5.000 gewinnen können. Das Ziel ist die Verbesserung der Ernährungsgrundlage durch verbesserte Methoden der Bodenbearbeitung. Im Tschad gehört zu diesem Projekt der Verein CFDD (Zentrum für Bildung und nachhaltige Entwicklung). CFDD ist dabei, eine ökologische Lehrfarm etwa 25 südlich von N’Djamena auf einer Fläche von 10 ha einzurichten. Dort werden schon jetzt Versuche mit verschiedenen Kompostanteilen und Nutzpflanzen durchgeführt. Inhalt des neuen Projektes ist ein französisches System, genannt „Jardin Tropical Amelioré“. Die Ergebnisse stehen dann den Partnervereinen von LHL und Appel Essonne zur Verfügung, und Mitglieder von beiden Partnervereinen werden in der Lehrfarm geschult.

Die Robert-Bosch-Stiftung verband die Förderzusage mit der Erwartung, daß je zwei Mitglieder von LHL und Appel Essonne teilnahmen an einem Vorbereitungsseminar, welches vom 6. bis 8. Oktober in Ludwigsburg stattfand. Es nahmen daran teil M. Vogelsberger für A. E. und J. Marquardt und U. Nica für LHL.

Zum Verein CFDD gehört auch Dr. Mbaiolo Jonas Kemdingao (im Foto ganz links), der von August bis Ende Oktober in Salem am Bodensee ein Praktikum in der Vermehrung von Saatgut absolvierte. Jürgen Marquardt und Abdallah Diop, der bis Ende August in Vechta weilte wegen seiner Dissertation, besuchten Dr. Kemdingao in Salem, um die Basis für weitere gemeinsame Projekte zu erörtern. Wir danken Frau Vera Becher, die sich liebevoll der Betreuung von Dr. Kemdingao angenommen hat. Im Tschad gibt es schon längere Zeit keine einheimische Firma mehr, die Saatgut vermehrt. Wir hoffen, daß es bald im Rahmen von CFDD den Beginn einer Saatgutvermehrung im Tschad geben wird. Davon werden nicht nur die Partnervereine von LHL und Appel Essonne profitieren.

Appel Essonne engagiert sich seit vielen Jahren vor allem im Bereich der Förderung der gärtnerischen Aktivitäten, wozu auch Bienenzucht gehört. Zu Beginn des Jahres nahmen auch Mitglieder von JARABE an einer Schulung teil, die von einem Fachmann aus Burkina Faso geleitet wurde.

In Ludwigsburg und in Vechta wurden viele Gespräche mit A. Diop und M. Vogelsberger geführt über die Möglichkeiten weiterer Kooperationen. Von Appel Essonne wird vor allem die Idee verfolgt, die Mittel der natürlichen Medizin wieder stärker ins Bewußtsein zu heben und für die Menschen verfügbar zu machen. Schon 2009 haben LHL und A.E. gemeinsam einen Fachmann aus dem Tschad zu einer Schulung durch ANAMED.e.V. in Kamerun geschickt. Planungen für 2012 werden wir gemeinsam zu Beginn des Jahres erörtern, wenn M. Vogelsberger von einer zweimonatigen Projektreise wieder zurückgekehrt ist.

Jürgen Marquardt


Bericht zum Projektland Nigeria:

1. SAVE80

2. Solarausbildungswerkstatt

3. PET-Flaschenhaus

4. ECO-Farm


1. SAVE80

Bei unserem CO2-Klimaschutzprojekt SAVE80 werden wir im Oktober das zweite Jahr abschließen, denn am 12. Oktober 2009 erfolgte die Registrierung beim UNFCCC-Sekretariat. Bei einer Bilanz nach zwei Jahren sieht es wie folgt aus:
a) verkaufte SAVE80:
b) CERs: 1,867 t CO2
Bei den Verkäufen hatten wir uns zum Ziel gesetzt, möglichst schnell die 12.500 Kocher = 8 Container, die das Projekt umfasst, zu verkaufen, d.h. mind. jährlich zwei Container (Pflicht), vier waren angestrebt (Kür). Wir liegen mit unserem Verkaufsergebnis minimal über dem SOLL, wobei zu bemerken ist, dass während der Zeit der Wahlen im März und April d.J. fast keine Verkaufstätigkeit möglich war, hingegen haben die Verkäufe in den letzten Wochen deutlich angezogen und werden sich nochmals steigern, sobald die Ramadan-Feierlichkeiten Anfang Sept. zu Ende gegangen sind.

Es liegen so viele Bestel­lungen und Anfragen vor, daß in diesem Jahr mindestens ein dritter Container verkauft werden kann. Unsere stärkste Käufergruppe sind die Verkäufe an Dorfgemeinschaften, Firmen, Behörden und sonstige Organisationen (z.B. Taxifahrergewerkschaft), bei denen die Bestellung und Abrechnung über eine Kontaktperson abgewickelt wird. Etwa 10% sind Barverkäufe.

Diese erstaunliche Steigerung unserer Verkäufe hat aber noch einen zweiten Grund: der Anstieg der Energiepreise. Damit werden nicht nur Benzin und Diesel, sondern auch Strom und Holz teurer, denn der Markt für Energien funktioniert wie eine kommunizierende Röhre. Während die Preissteigerungen in den letzten Monaten sich noch im niedrigen zweistelligen Bereich bewegten, ist in den letzten Oktobertagen Unruhe aufgekommen, weil offenbar die Regierung Subventionen kürzen will. Wie oftmals bei Gerüchten werden die wildesten Szenarien verbreitet. Im Augenblick wird das

Horroszenario einer Verdoppelung der Spritpreise an die Wand gemalt. Sollte dies nur annähernd eintreten, ist mit massiven Unruhen zu rechnen. Und deshalb hat ein wahrer Run auf unsere Herde eingesetzt - wir können derzeit gar nicht so schnell liefern, wie verkauft wird.

Am 30.6.2010 war die erste Monitoringperiode abgeschlossen und wir hatten bei den Besuchen der 100 zufällig ausgewählten Käuferfamilien das Problem, dass einige von ihnen in Plateau State wohnen bzw. wohnten, ein Bundesstaat, in dem bis Jahresanfang gewalttätige Unruhen mit hunderten von Toten tobten. Unser Verkaufsteam konnte unter diesen Umständen nur wenige Besuche d.h. Verkäufe durchführen. Monitoring-Besuche mußten abgesagt werden oder aber die aufgesuchten Familien waren nicht auffindbar, weil sie vermutlich geflohen waren. Das Ergebnis war für uns nicht überraschend: von den 100 Familien waren 14 nicht auffindbar, und zusammen mit dem statistischen Fehler von 6% lag unsere Ausschussrate bei 20,6%. In Anbetracht des schwierigen Umfeldes sind wir nicht unzufrieden über dieses Ergebnis und sind sicher, dass in der zweiten Monitoringperiode, die vom 1.7.2010 – 30.6.2011 währte, wir ein deutlich besseres Ergebnis erzielen werden.

Es gibt aber eine Zahl, die uns besonders stolz macht: das ist die Zahl unserer Mitarbeiter. DARE hat 20 feste Mitarbeiter und ca. 75 freie Mitarbeiter, das sind überwiegend Mit­arbeiter in der Montage der SAVE80. Wir gehen davon aus, dass bei den steigenden Verkäufen wir noch mehr junge Männer für Montagearbeiten anlernen können. Aber auch in der Stammbesatzung wird es Zuwachs geben müssen, denn ein 3. Verkaufsteam muss aufgebaut werden, die IT ist zu verstärken und das techn. Personal, welches jetzt die Nummerierung und Blechbiegearbeiten durchführt, muss aufgestockt werden, alles auch hinsichtlich des erwarteten Arbeitsumfanges im Rahmen des PoA.

Unser Büro liegt in der Stadt Kaduna im gleichnamigen Bundesstaat und von hier aus werden bisher alle Verkäufe getätigt. Das ist bei einer Flächenausdehnung von 200 km x 200 km schon eine Herausforderung und das gesamte aktuelle Projektgebiet ist um das 10-fache größer. Spätestens wenn in 2012 das gesamte Staatsgebiet als neues Projektgebiet festgelegt wird, müssen weitere Verkaufsbüros eingerichtet werden, mindestens eines in jeder Himmelsrichtung. Mit dieser Aufgabe befasst sich Yahaya nur am Rande, aber es ist vordringlich, denn spätestens zum 1.4.2012 rechnen wir dem Abschluss unseres laufenden und dem Start unseres neuen Projektes. Und bis dahin müssen in 4 Städten nicht nur neue geeignete Büros, sondern auch neue Mitarbeiter gefunden und eingearbeitet werden, wobei dies die größere Herausforderung sein wird. Bei einer hohen Arbeitslosigkeit melden sich auf Stellenanzeigen Bewerber, die in ihrer Not behaupten, dass sie alle Tätigkeiten ausüben können. Das Jahr 2012 wird spannend und ich beneide unseren Partner nicht, alle diese Anforderungen zu meistern. Bernd Blaschke

2. Programme of Activities (PoA)

PoA’s haben den Zweck, den Aufwand – und damit die Kosten - für Validierung, Registrierung und Verifizierung, die besonders bei Kleinprojekten stark ins Gewicht fallen, möglichst zu vermindern. Eine im Prinzip unbegrenzte Zahl von Kleinprojekten können zu einem PoA zusammengefasst werden. Dann fallen die Kosten für Validierung und Verifizierung nur einmal an.

Laut Atmosfair sind die Rückfragen, Kritikpunkte und Änderungswünsche im Validierungsbericht des TÜV Nord über unser PoA jetzt geklärt. Der TÜV hat jetzt auch den höheren Ansatz des Biomasseverbrauchs von 137 Mill m3 (= 99 Mill.Tonnen) akzeptiert, den wir aus der UN Statistics Data Base übernommen haben. Wenn man diese Menge durch die Bevölkerungszahl (rund 148 Millionen) teilt, ergibt sich der Verbrauch pro Kopf mit 0,67 Tonnen pro Jahr. Da die mittlere Familiengröße 7,95 Personen beträgt, errechnet sich der Holzverbrauch einer Familie ohne Save80 zu 5,34 Tonnen/Jahr; nach der alten Berechnung im laufenden Projekt waren es 4.956 t/Jahr.

Aufgrund neuer Vorschriften für die Berechnung ergibt sich auch ein höherer Anteil der nicht erneuerbaren Biomasse; er beträgt jetzt 81 %. Damit steigt auch die Emissionsminderung durch die Benutzung des Save80, wodurch mehr CER’s zustande kommen.

Es steht noch eine TÜV-interne Qualitätsprüfung des Berichts aus. Danach folgen die Veröffentlichung des revidierten PoA auf der Netzseite von UNFCCC und das Warten auf die Registrierung, mit der wohl Anfang 2012 zu rechnen ist.

Von der letzten Containerlieferung mit 1600 Kochern wurden von atm 600 Stück für das PoA bestimmt, der Rest für DARE im laufenden Projekt Nr. 2711. Von diesen 600 Stück gingen 400 an den von Atmosfair gewonnenen kommerziellen Partner BIA und 200 an DARE. BIA verkauft die Kocher weiter an die First City Monument Bank (FCMB), die, wie auch andere Banken in Nigeria, ebenfalls Warengeschäfte tätigt. Die FCMB hat 120 Filialen in Nigeria.

Wir sind im Gespräch mit FairPla.net (siehe http://www.fairpla.net/intro.html) über eine mögliche finanzielle Beteiligung als Partner an unserem PoA. Über Höhe und Art der Beteiligung lässt sich noch nichts sagen. Weitere Partner sind möglich. DARE ist auch mit einem potenten möglichen Partner in Nigeria im Gespräch.

Bewerbung um den „International Ashden Award“

Nach langer Vorbereitung haben wir – d.h. das Zwiegespann LHL& DARE – uns um den Internationalen Ashden Award beworben. Die Frist endete am 18. Oktober. Die Auswahl vollzieht sich in zwei Stufen. Wenn wir in die Vorauswahl kommen, müssen wir weitere Fragen beantworten.

Neuer Container:

Wie wir von atmosfair erfahren haben, soll der neue Container mit 1600 Herden am 20.10. 2011 im Hafen von Lagos eingetroffen sein. Wir hoffen auf eine rasche Erledigung der Formalitäten. Es wäre der dritte Container in diesem Jahr, und es haben sich so viele Interessenten in die Wartelisten eingetragen, dass der Inhalt faktisch schon vergeben ist. In den beiden letzten Jahren hatten wir nur je zwei Container zur Verfügung. Dr. Paul Krämer

3. Solarausbildungswerkstatt

Im Dezember 2010 wurde die erste Phase der Ausbildung mit 7 Teilnehmern und der Montage von 30 Solarlampen gestartet. Von den 30 Lampen sind inzwischen 25 verkauft. Die Materialkosten der Lampe betragen 25,- €. Der Verkaufspreis 35,- €. Er wird von den Käufern als zu hoch/teuer bewertet.

Nachdem uns die Giz/NRW einen Zuschuss in Höhe von € 15.000 im Frühjahr 2011 gewährt hatte, wurde sofort mit der weiteren Planung und dem Einkauf von Werkzeugen und Solarkomponenten begonnen, die inzwischen nach Nigeria versandt sind.

Die bisherigen und weitere jugendliche Arbeitslose und Frauen werden im November 2011 in einem 14 tägigen Kurs, die Grundlagen der Solartechnik vertieft kennenlernen und die Fertigkeiten zur Montage und Wartung von Solarlampen und kleiner Solar-Home-Systeme (SHS) erwerben. Es sollen weitere 30 Solarlampen, 20 kleine SHS und 5 größere SHS gebaut werden.


Solarwerkstatt – Bau von einfachen Solarlampen

Geklärt werden soll auch die künftige Marketingstrategie für die Art und den Verkauf der Produkte. Sollte sich herausstellen, dass die selbstgefertigten Produkte zu teuer im Verhältnis zu chinesischen Produkten sind, würde die Solarwerkstatt in ihrer Konzeption verändert ausgerichtet werden. Der Eigenbau dient danach im Wesentlichen der Qualifikation und eines beschränkten Zuverdienstes. Als neues Geschäftsfeld, käme der Vertrieb, die Wartung und Reparatur von chinesischen, preiswerteren Solarlampen hinzu. Hierzu gibt es Kontakte und Verhandlungen mit einer deutschen Firma, über die wir in Nigeria (die Firma hat dort einen Geschäftspartner) Solarlampen zum Preis von 9,- € beziehen können. Bei einem Testmodell hatte Arwed einen Mangel festgestellt. Eine weitere Testlampe soll noch geprüft werden.

In einer neuen Studie über Solarlampen in Uganda hat die GIZ festgestellt, dass es bei allen – auch qualitativ hochwertigen Produkten – zu Ausfällen von bis zu 20 % kommt. Insofern ist die zusätzliche Ausrichtung der Werkstatt auf Wartung und Reparatur von Solarprodukten ein wichtiges neues Geschäftsfeld. Arwed Milz

4. PET-Flaschenhaus

Auf der Solarkonferenz 2010 in Düsseldorf haben wir Andreas Froese persönlich kennen gelernt und seine Schilderung am Freitag und seine Vorführung am Sonnabend haben uns wohl alle fasziniert: Ein Gebäude, gebaut überwiegend aus PET-Flaschen. Yahaya hatte daraufhin den Wunsch, solch ein Haus aus Plastikflaschen in Nigeria errichten zu wollen, denn wenn es etwas in Nigeria im Überfluss gibt dann sind es Plastikflaschen. Die Finan­zierung seines Aufenthaltes war nicht ganz einfach, aber schließlich haben die GLS-Bank und die niedersächsische Bingo-Umweltstiftung einen 4-wöchigen Aufenthalt einschl. Evaluationsbesuch finanziert.

Aber wie das bei Pilotprojekten oftmals ist, nicht alles ließ sich realisieren, einige Annahmen waren zu optimistisch und so blieb Andreas 6 Wochen, aber der Bungalow wurde dennoch nicht fertig. Chris, der Besitzer des Grundstückes, hat die restlichen Arbeiten durchgeführt, jetzt steht wenigstens die Hülle und was denn Innenausbau betrifft warten wir noch auf eine finanzielle Unterstützung durch Bingo. Aber die Idee hat sowohl bei den kleinen Leuten wie auch bei den politi-

Andreas Froese bei der Arbeit

schen und traditionellen Führern einen großen Eindruck hinterlassen und wir wurden aufgefordert einen Baukurs durchzu­führen, bei dem weitere junge Männer in dieser Bautechnik ausgebildet werden sollen (warum eigentlich nur Männer?). Diese Maßnahme soll drei Monate dauern, Andreas hat zugesagt, und wir schauen, wer sich an der Finanzierung beteiligen kann. Es zeichnet sich ab, dass Bingo mitmachen würde, dann evtl. eine Firma in Nigeria und evtl. eine Stiftung o.ä., denn das Ganze wird etwa 150.000 € insgesamt kosten. Im Rahmen dieses Baukurses sollen die Lehrlinge dann ihre Gesellenprüfung in Form eines weiteren selbstständig gebauten Gebäudes abliefern, vielleicht ein Klassenzimmer oder eine Toilette oder ein weiterer Gästebungalow?

Was macht ein Flaschenhausbauer wenn er eine Pause einlegen muss? Er baut einen Wassertank, natürlich ebenfalls aus PET-Plastik­flaschen. Dafür reichen 2.500 Flaschen und nach 5 Tagen ist ein solcher 10.000 l Tank fertig. Gut zu erkennen ist die Frischwasserzuleitung, die hier vom Dach der Werkhalle ankommt. Die Plastik­folie über der Öffnung ist allerdings nicht vor­gesehen, um den Schmutz fern zu halten sondern das Sonnenlicht, denn erst einmal hat dort ein Fischschwarm seine Unterkunft gefunden. Das neueste Hobby ist Fischzucht und die Menschen fahren gerne ein paar Kilometer, denn hier, am Rande der Sahara, ist Frischfisch eine gesuchte Rarität. Bernd Blaschke

5. ECO-Farm

Wir träumen schon längere Zeit einen Traum: ein eigenes Grundstück außerhalb der Stadt, auf dem wir Büro, Lager, Werkstatt, Seminarräume und Ausstellungsräume errichten wollen. Wir haben auch einen Partner gefunden, Chris(topher Vassiliu) der Grieche, dem ein großes Grundstück gehört und der sich von Yahayas Idee begeistern ließ. Mit dem Flaschenbungalow hat es nun begonnen, konkrete Formen anzunehmen, ein Fischbecken ist dabei auch entstanden und wir wollen diesen Faden weiterspinnen. Dieser Bungalow soll mehrfach kopiert werden und diese Bungalows sollen als Gästehäuser genutzt werden. Der 1. Fischteich hat seine Bewährungsprobe schon bestanden, die Fische wachsen und gedeihen und zum Ramadan-Abschlussfest landeten einige von ihnen auf dem Grill. Also könnten wir auch die Fischzucht ausbauen. Ein großes Dach wird zur Werk- und Lager­halle ausgebaut, hier könnte das Zentrum für die Baukurse entstehen. Für Büros eignet sich ein 2-stöckiges Gebäude im Eingangsbereich, welches allerdings noch ausgebaut werden muss. Hier könnte im EG ein Ausstellungs- und Verkaufsraum entstehen. Und weil das Grundstück ideal an einer der wichtigsten Autobahnen gelegen ist könnten wir das EG des Gebäudes zu einem Restaurant (mit Außenterrasse) ausbauen (Spezialität Fischgerichte) und dazugehörig eine unserer modernen Toiletten. Und natürlich werden wir auf dem Gelände Moringa anbauen und Jatropha anpflanzen, einen Komposthaufen anlegen und ein Feld mit Tröpfchen­bewässerung anlegen, alles gedacht für Landwirt­schaftskurse und evtl. eine Baumschule, um von hier aus Aufforstungsvorhaben mit jungen Pflanzen zu beliefern. Wenn die Idee gut ankommt könnte sich Yahaya auch vorstellen, dass man auf dem Gelände auch wohnen kann, für kurze Zeit, z.B. übers Wochenende, als Urlaubsdomizil für eine oder mehrere Wochen oder auch um dort zu arbeiten und zu leben.

Ein Problem muss noch gelöst werden: das Gelände gehört noch Chris, doch der will es abgeben und neuer Eigentümer soll eine Stiftung werden. Doch diese existiert noch nicht und das Geld haben wir auch noch nicht zusammen. Aber wir arbeiten darauf hin. Bernd Blaschke

6. Programme of Activities (PoA)

PoA’s haben den Zweck, den Aufwand – und damit die Kosten - für Validierung, Registrierung und Verifizierung, die besonders bei Kleinprojekten stark ins Gewicht fallen, möglichst zu vermindern. Eine im Prinzip unbegrenzte Zahl von Kleinprojekten können zu einem PoA zusammengefasst werden. Dann fallen die Kosten für Validierung und Verifizierung nur einmal an.

Laut Atmosfair sind die Rückfragen, Kritikpunkte und Änderungswünsche im Validierungsbericht des TÜV Nord über unser PoA jetzt geklärt. Der TÜV hat jetzt auch den höheren Ansatz des Biomasseverbrauchs von 137 Mill m3 (= 99 Mill.Tonnen) akzeptiert, den wir aus der UN Statistics Data Base übernommen haben. Wenn man diese Menge durch die Bevölkerungszahl (rund 148 Millionen) teilt, ergibt sich der Verbrauch pro Kopf mit 0,67 Tonnen pro Jahr. Da die mittlere Familiengröße 7,95 Personen beträgt, errechnet sich der Holzverbrauch einer Familie ohne Save80 zu 5,34 Tonnen/Jahr; nach der alten Berechnung im laufenden Projekt waren es 4.956 t/Jahr.

Aufgrund neuer Vorschriften für die Berechnung ergibt sich auch ein höherer Anteil der nicht erneuerbaren Biomasse; er beträgt jetzt 81 %. Damit steigt auch die Emissionsminderung durch die Benutzung des Save80, wodurch mehr CER’s zustande kommen.

Es steht noch eine TÜV-interne Qualitätsprüfung des Berichts aus. Danach folgen die Veröffentlichung des revidierten PoA auf der Netzseite von UNFCCC und das Warten auf die Registrierung, mit der wohl Anfang 2012 zu rechnen ist.

Von der letzten Containerlieferung mit 1600 Kochern wurden von atm 600 Stück für das PoA bestimmt, der Rest für DARE im laufenden Projekt Nr. 2711. Von diesen 600 Stück gingen 400 an den von Atmosfair gewonnenen kommerziellen Partner BIA und 200 an DARE. BIA verkauft die Kocher weiter an die First City Monument Bank (FCMB), die, wie auch andere Banken in Nigeria, ebenfalls Warengeschäfte tätigt. Die FCMB hat 120 Filialen in Nigeria.

Wir sind im Gespräch mit FairPla.net (siehe http://www.fairpla.net/intro.html) über eine mögliche finanzielle Beteiligung als Partner an unserem PoA. Über Höhe und Art der Beteiligung lässt sich noch nichts sagen. Weitere Partner sind möglich. DARE ist auch mit einem potenten möglichen Partner in Nigeria im Gespräch.

Bewerbung um den „International Ashden Award“

Nach langer Vorbereitung haben wir – d.h. das Zwiegespann LHL& DARE – uns um den Internationalen Ashden Award beworben. Die Frist endete am 18. Oktober. Die Auswahl vollzieht sich in zwei Stufen. Wenn wir in die Vorauswahl kommen, müssen wir weitere Fragen beantworten.

Neuer Container:

Wie wir von atmosfair erfahren haben, soll der neue Container mit 1600 Herden am 20.10. 2011 im Hafen von Lagos eingetroffen sein. Wir hoffen auf eine rasche Erledigung der Formalitäten. Es wäre der dritte Container in diesem Jahr, und es haben sich so viele Interessenten in die Wartelisten eingetragen, dass der Inhalt faktisch schon vergeben ist. In den beiden letzten Jahren hatten wir nur je zwei Container zur Verfügung.

Paul Krämer

7. Solarausbildungswerkstatt

Im Dezember 2010 wurde die erste Phase der Ausbildung mit 7 Teilnehmern und der Montage von 30 Solarlampen gestartet. Von den 30 Lampen sind inzwischen 25 verkauft. Die Materialkosten der Lampe betragen 25,- €. Der Verkaufspreis 35,- €. Er wird von den Käufern als zu hoch/teuer bewertet.

Nachdem uns die Giz/NRW einen Zuschuss in Höhe von € 15.000 im Frühjahr 2011 gewährt hatte, wurde sofort mit der weiteren Planung und dem Einkauf von Werkzeugen und Solarkomponenten begonnen, die inzwischen nach Nigeria versandt sind.

Die bisherigen und weitere jugendliche Arbeitslose und Frauen werden im November 2011 in einem 14 tägigen Kurs, die Grundlagen der Solartechnik vertieft kennenlernen und die Fertigkeiten zur Montage und Wartung von Solarlampen und kleiner Solar-Home-Systeme (SHS) erwerben. Es sollen weitere 30 Solarlampen, 20 kleine SHS und 5 größere SHS gebaut werden.

Geklärt werden soll auch die künftige Marketingstrategie für die Art und den Verkauf der Produkte. Sollte sich herausstellen, dass die selbstgefertigten Produkte zu teuer im Verhältnis zu chinesischen Produkten sind, würde die Solarwerkstatt in ihrer Konzeption verändert ausgerichtet werden. Der Eigenbau dient danach im Wesentlichen der Qualifikation und eines beschränkten Zuverdienstes. Als neues Geschäftsfeld, käme der Vertrieb, die Wartung und Reparatur von chinesischen, preiswerteren Solarlampen hinzu. Hierzu gibt es Kontakte und Verhandlungen mit einer deutschen Firma, über die wir in Nigeria (die Firma hat dort einen Geschäftspartner) Solarlampen zum Preis von 9,- € beziehen können. Bei einem Testmodell hatte Arwed einen Mangel festgestellt. Eine weitere Testlampe soll noch geprüft werden.

In einer neuen Studie über Solarlampen in Uganda hat die GIZ festgestellt, dass es bei allen – auch qualitativ hochwertigen Produkten – zu Ausfällen von bis zu 20 % kommt. Insofern ist die zusätzliche Ausrichtung der Werkstatt auf Wartung und Reparatur von Solarprodukten ein wichtiges neues Geschäftsfeld.

Arwed Milz

PET-Flaschenhaus

Auf der Solarkonferenz 2010 in Düsseldorf haben wir Andreas Froese persönlich kennen gelernt und seine Schilderung am Freitag und seine Vorführung am Sonnabend haben uns wohl alle fasziniert: Ein Gebäude, gebaut überwiegend aus PET-Flaschen. Yahaya hatte daraufhin den Wunsch, solch ein Haus aus Plastikflaschen in Nigeria errichten zu wollen, denn wenn es etwas in Nigeria im Überfluss gibt dann sind es Plastikflaschen. Die Finanzierung seines Aufenthaltes war nicht ganz einfach, aber schließlich haben die GLS-Bank und die niedersächsische Bingo-Umweltstiftung einen 4-wöchigen Aufenthalt einschl. Evaluationsbesuch finanziert.

Aber wie das bei Pilotprojekten oftmals ist, nicht alles ließ sich realisieren, einige Annahmen waren zu optimistisch und so blieb Andreas 6 Wochen, aber der Bungalow wurde dennoch nicht fertig. Chris, der Besitzer des Grundstückes, hat die restlichen Arbeiten durchgeführt, jetzt steht wenigstens die Hülle und was denn Innenausbau betrifft warten wir noch auf eine finanzielle Unterstützung durch Bingo. Aber die Idee hat sowohl bei den kleinen Leuten wie auch bei den politischen und traditionellen Führern einen großen Eindruck hinterlassen und wir wurden aufgefordert einen Baukurs durchzuführen, bei dem weitere junge Männer in dieser Bautechnik ausgebildet werden sollen (warum eigentlich nur Männer?). Diese Maßnahme soll drei Monate dauern, Andreas hat zugesagt, und wir schauen, wer sich an der Finanzierung beteiligen kann. Es zeichnet sich ab, dass Bingo mitmachen würde, dann evtl. eine Firma in Nigeria und evtl. eine Stiftung o.ä., denn das Ganze wird etwa 150.000 € insgesamt kosten. Im Rahmen dieses Baukurses sollen die Lehrlinge dann ihre Gesellenprüfung in Form eines weiteren selbstständig gebauten Gebäudes abliefern, vielleicht ein Klassenzimmer oder eine Toilette oder ein weiterer Gästebungalow?

Was macht ein Flaschenhausbauer wenn er eine Pause einlegen muss? Er baut einen Wassertank, natürlich ebenfalls aus PET-Plastikflaschen. Dafür reichen 2.500 Flaschen und nach 5 Tagen ist ein solcher 10.000 l Tank fertig. Gut zu erkennen ist die Frischwasserzuleitung, die hier vom Dach der Werkhalle ankommt. Die Plastikfolie über der Öffnung ist allerdings nicht vorgesehen, um den Schmutz fern zu halten sondern das Sonnenlicht, denn erst einmal hat dort ein Fischschwarm seine Unterkunft gefunden. Das neueste Hobby ist Fischzucht und die Menschen fahren gerne ein paar Kilometer, denn hier, am Rande der Sahara, ist Frischfisch eine gesuchte Rarität.

Bernd Blaschke

ECO-Farm

Wir träumen schon längere Zeit einen Traum: ein eigenes Grundstück außerhalb der Stadt, auf dem wir Büro, Lager, Werkstatt, Seminarräume und Ausstellungsräume errichten wollen. Wir haben auch einen Partner gefunden, Chris(topher Vassiliu) der Grieche, dem ein großes Grundstück gehört und der sich von Yahayas Idee begeistern ließ. Mit dem Flaschenbungalow hat es nun begonnen, konkrete Formen anzunehmen, ein Fischbecken ist dabei auch entstanden und wir wollen diesen Faden weiterspinnen. Dieser Bungalow soll mehrfach kopiert werden und diese Bungalows sollen als Gästehäuser genutzt werden. Der 1. Fischteich hat seine Bewährungsprobe schon bestanden, die Fische wachsen und gedeihen und zum Ramadan-Abschlussfest landeten einige von ihnen auf dem Grill. Also könnten wir auch die Fischzucht ausbauen. Ein großes Dach wird zur Werk- und Lagerhalle ausgebaut, hier könnte das Zentrum für die Baukurse entstehen. Für Büros eignet sich ein 2-stöckiges Gebäude im Eingangsbereich, welches allerdings noch ausgebaut werden muss. Hier könnte im EG ein Ausstellungs- und Verkaufsraum entstehen. Und weil das Grundstück ideal an einer der wichtigsten Autobahnen gelegen ist könnten wir das EG des Gebäudes zu einem Restaurant (mit Außenterrasse) ausbauen (Spezialität Fischgerichte) und dazugehörig eine unserer modernen Toiletten. Und natürlich werden wir auf dem Gelände Moringa anbauen und Jatropha anpflanzen, einen Komposthaufen anlegen und ein Feld mit Tröpfchenbewässerung anlegen, alles gedacht für Landwirt­schaftskurse und evtl. eine Baumschule, um von hier aus Aufforstungsvorhaben mit jungen Pflanzen zu beliefern. Wenn die Idee gut ankommt könnte sich Yahaya auch vorstellen, dass man auf dem Gelände auch wohnen kann, für kurze Zeit, z.B. übers Wochenende, als Urlaubsdomizil für eine oder mehrere Wochen oder auch um dort zu arbeiten und zu leben.

Ein Problem muss noch gelöst werden: das Gelände gehört noch Chris, doch der will es abgeben und neuer Eigentümer soll eine Stiftung werden. Doch diese existiert noch nicht und das Geld haben wir auch noch nicht zusammen. Aber wir arbeiten darauf hin.

Bernd Blaschke

LHL in der Demokratischen Republik Kongo

Ostkongo

Bäume, Gemüse und Öfen

Natürlich pflanzen wir im Kongo auch Bäume. Mit einem großen Projekt, gefördert vom Entwicklungshilfeministerium, das im Frühjahr 2012 beendet wird, sind es Millionen Bäume, die inzwischen an mehreren Standorten mit Förderung von LHL heranwachsen. Mit kleineren Projekten, z.B. jetzt neu auf der Insel Idjwi im Kivusee, werden 2012 immerhin weit über 100.000 mit sehr engagierten Partnern gepflanzt. Aber wir wollen auch den Holzverbrauch reduzieren und fördern den Bau von holzsparenden Lorena-Lehmöfen.

Und gerade ist ein kleines, aber feines Projekt abgeschlossen worden: Ausbildung zur Anlegung von Gemüsegärten in Burhinyi. Ziel ist die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit einer größeren Bandbreite an Gemüsesorten und Produktion für den Markt in Bukavu mit seiner Gemüsearmut. Die Anschubfinanzierung kam von der Bingo-Stiftung. Auf dem aktuellen Index der Welthungerhilfe, herausgekommen im Oktober 2011 ist der Kongo – wie schon in den letzten zwei

Jahren – wieder Schlußlicht. Das Land auf der Erde mit den meisten Hungernden. Der fruchtbare Kongo! Mit unseren Gemüseseminaren soll sich das wenigstens in Burhinyi und Umgebung ändern!

Spenden sind noch willkommen für den Eigenanteil. Stichwort: Gemüse.

Nördlich des Tanganjikasees liegen die Reisfelder von Kaliba und die dortigen Reisbäuerinnen konnten in den letzten Jahren die Produktion vervielfachen. Im vorigen Jahr baten sie um eine weitere Reisschälmaschine und um Förderung für ein Bade- und Duschhaus, damit sie nach getaner Arbeit sich nicht mehr in aller Öffentlichkeit im Bewässerungskanal waschen müssen. Auch hier hat die Bingo-Stiftung Zuschüsse gewährt, in Kiliba wird schon gebaut, aber auch hier ist der Eigenanteil von LHL noch nicht ganz zusammen. Jede Spende ist eine große Hilfe. Stichwort: Kiliba.

Und die Zukunft? Wir träumen von weiteren Aufforstungsmaßnahmen, von weiteren Waldkindergärten, Workshops für Jugendliche zum Thema Umweltschutz, Ausbildungswerkstätten für Lorena-Öfen, kurz: von einem großen Projekt zum Ressourcenschutz im Ostkongo.

Und dann gibt LHL 2012 einen Beitrag zum „UNO-Jahr der Genossenschaften“ - und womit? Indem unsere Partner im Kongo zwei Genossenschaften für das schon laufende Ziegeleiprojekt gründen! Eine in Kilueka im Westkongo, die andere in Burhinyi im Ostkongo. In Burhinyi wurde damit schon begonnen und die allererste Aktivität der „Genossenschaft in Gründung“ war die Einladung an Antonius aus Uvira. Antonius kann Lorena-Öfen bauen und die Frauen Burhinyis waren ganz scharf darauf, auch bald solche holzsparenden, raucharmen Öfen benutzen zu können. Und das haben sie ganz ohne LHL in Eigenregie organisiert und aus den Einnahmen der ersten Genossenschaftsanteile auch selbst finanzieren können. Ein Blog mit Berichten von Heinz Rothenpieler von seiner Projektreise nach Afrika gibt es auf dem Jugendserver Niedersachsen.

www.jugendserver-niedersachsen.de

Westkongo – Kilueka

Die Mitglieder des Vereins „Songa Nzila“ freuen sich sehr über die vielen kleinen Fortschritte im Dorf Kilueka und Umgebung und sind sehr dankbar! Zu Beginn musste Augustin Konda, unser Biologe und Projektleiter, die Leute immer wieder für die Vereinsarbeit motivieren. Jetzt, wo die ersten Erfolge sichtbar sind, ist die Begeisterung und Motivation groß!

Das Dorfgemeinschaftshaus in Kilueka wird teilweise schon genutzt, und die Handwerker sind gerade dabei, die Räume zu verputzen. Dann können endlich eine kleine Gesundheitsstation, sowie Gästezimmer, Bureau, Lagerraum usw. eingerichtet werden. Auch Augustin Konda soll dann hier übernachten, wenn er tagelang im Dorf arbeitet.

Das Rinderprojekt, das auch von der Eine-Welt-Gruppe Lippetal unterstützt wird, hat sich unerwarteterweise verzögert. Die ersten Rinder erkrankten an Krätze und waren danach nicht gleich groß, d.h. sie passten nicht mehr unter ein Joch. Deshalb mussten wir sie gegen zwei neue junge Rinder tauschen. Diesen beiden Ochsen geht es gut, und sie werden regelmäßig von einem Tierarzt untersucht. Sie sind jetzt alt genug, um demnächst für die Feldarbeit ausgebildet zu werden.

Das Bienenprojekt ist bei der Bevölkerung sehr beliebt! Immer noch wird der Bas-Congo und damit auch die Region Kilueka abgeholzt. Das Holz geht direkt oder als Holzkohle nach Kinshasa und wird dort zum Kochen verwendet. Mehrere Tage jede Woche gibt es in der 10 Mio. Hauptstadt keine Stromversorgung. Der Energieverbrauch und damit der Bedarf an Holzkohle ist enorm! A. Konda ist auch Umweltschützer und fragt sich: „Wie kann man die übrig gebliebenen Wälder schützen, bevor es zu spät ist und der Bas-Congo eine Wüste wird?“ Herr Konda hat viele Menschen in Kilueka und Umgebung davon überzeugt, ihre Bäume nicht mehr zu fällen und als Brennholz zu verkaufen. Denn so bekommen sie nur einmal etwas Geld und ein neuer Baum wächst erst langsam nach. Außerdem finden die Frauen kaum noch Holz, um selbst zu kochen. Wenn die Menschen vor Ort Bienenstöcke in ihre Wälder stellen, dann können sie jedes Jahr Honig ernten und einen Teil davon verkaufen. So bekommen sie immer wieder Geld und schützen sogar noch ihre Wälder! Nicht nur wir von LHL e.V. sondern auch der Konga – Freundeskreis Tshuapa e.V. in Losheim am See hat schon viele Bienenstöcke in Kilueka und Umgebung finanziert. Eigentlich unterstützt dieser Verein Projekte im Distrikt Tshuapa, also mehr im Norden der Dem. Rep. Kongo. Da man aber A. Konda schon lange kennt, wird jetzt auch das Bienenprojekt in seinem Heimatdorf gefördert.

Auch wir würden gerne noch mehr Bienenstöcke herstellen lassen. Der Bau und die Aufstellung eines Bienenstockes kosten etwa USD 20. Zum Bau des Bienenstocks selbst kommen noch die Kosten für die Begleitung der neuen Imker z.B. beim Ernten und Abfüllen des Honigs, aber auch für Gefäße, Transport, usw.. Inklusive all dieser Kosten kann man für 30 Euro einen Bienenstock im Kongo aufstellen lassen, der auch gerne mit dem Namen des Spenders versehen werden kann.

Für das Ziegeleiprojekt sind jetzt die Zuschüsse bewilligt worden. Eine große mobile Ziegelpresse ist z.Z. auf dem Weg von Belgien nach Kilueka. Herr Konda und seine Mitstreiter bereiten vor Ort alles vor, damit ein Fachmann aus Belgien ein Seminar zur Einführung in die Arbeit mit dieser Ziegelpresse halten kann. Mit diesem Gerät können neben einfachen Ziegeln auch Dachziegel und Bodenfliesen hergestellt werden. Diese müssen nicht unbedingt gebrannt werden, denn dafür bräuchte man wieder Holz. Im Seminar werden verschiedene Methoden zur Herstellung guter Ziegel erklärt. Lehm ist in jedem Fall mehr als genug vorhanden. Es muss jetzt noch vor Ort eine Genossenschaft für diese Ziegelei gegründet werden. Der von LHL aufzubringende Eigenanteil für dieses Projekt beträgt 2730 Euro.

Das Wasserprojekt hat im Oktober begonnen. Wir sind sehr glücklich, daß der Verein Aqua Creactive e.V. in Meppen, zu dem LHL schon seit langem enge Kontakte hat, es übernommen hat, auch in Kilueka für sauberes Trinkwasser zu sorgen. A.C. e.V. setzt sich seit einigen Jahren für sauberes Wasser in Afrika ein und übernimmt nun fast das ganze Wasserprojekt in Kilueka. Auch die Bingo-Umwelt-Stiftung in Hannover hat einen beachtlichen Zuschuß für dieses zweijährige Projekt bewilligt. Der Beitrag von LHL beträgt jährlich 1000 Euro.

Durchfallerkrankungen durch verschmutztes Wasser sind stark verbreitet und ein großes Problem für die Bevölkerung. Bei dem jetzt startenden Projekt wird zuerst das Wasser untersucht, dann werden die Quellen sauber eingefasst. Durch die Anlage einer dichten Vegetation mit Bäumen in einem Umkreis von 30 Metern wird der Quellbereich vor Verunreinigung vor allem bei Starkregen dauerhaft geschützt.

Ein weiterer äußerst wichtiger Teil des A.C. Projektes ist die Einführung von Moringabäumen. Dieser ursprünglich aus Indien stammende Baum ist überaus vielseitig nutzbar. Die Blätter enthalten z.B. viel Eiweiss und etwa siebenmal so viel Vitamin C wie Orangen. So gibt es endlich Hilfe bei der verbreiteten Mangelernährung, unter der hauptsächlich Kinder und Schwangere leiden. Ausgeführt wird das Projekt von A. Konda (Projektleiter), seinem ältesten Sohn Ready (studierter Biologe) und Herrn Zozo (erfahrener Laborant).

In diesem Projekt ist auch die Finanzierung eines Geländewagens bewilligt worden, der die Projektarbeit ungemein erleichtert! Dann muss Herr Konda demnächst nicht mehr auf den total überfüllten LKW’s stunden- und tagelang nach Kilueka “reisen“!

Das Musikprojekt ist fast ausgearbeitet und kann bald beginnen. Es kam durch eine zweckgebundene größere Spende für Musik zustande. Die traditionelle Musik ist in der Umgebung von Kilueka fast verschwunden und vergessen. Man wollte auch dort die Europäer nachahmen und hört nun westliche Musik. Für eine Feier werden Boxen, Verstärker etc. viele Kilometer weit auf dem Kopf transportiert, und dann muss auch noch ein Stromgenerator organisiert werden. Welch ein Aufwand! Die Bevölkerung wünscht sich wieder traditionelle Musik für Hochzeiten, Beerdigungen und andere Feierlichkeiten. Herr Konda hat daraufhin ehemals bekannte und berühmte Musiker vor Ort besucht und mit ihnen gesprochen. Sie wollen wieder – wie früher – Instrumente bauen, ein traditionelles Orchester gründen und mit den Proben beginnen. Der Verein Songa Nzila wird die Künstler beim Bau der Instrumente finanziell unterstützen und ihnen einen Probenraum zur Verfügung stellen. Später wird der Verein von ihren Auftritten profitieren!

Dies sind die neuesten Informationen zu den Projekten im Westkongo. Wir alle, ganz besonders die Frauen vom Verein Songa Nzila, aber auch Herr Konda und ich, möchten uns bei allen für ihre Unterstützung ganz herzlich bedanken!

Mit vielen Grüßen von uns allen Irène Freimark-Zeuch


Der Weihnachtsrundbrief 2011 fand Beachtung im Lilienthal-Gymnasium in Berlin